Platten, Pech und Pannen

Es begann mit der Anreise zur Jübiläumsveranstaltung des MSC Pößneck der 50. DMV Thüringen Rallye. Der Plan sah vor, dass ich morgens mit dem Zug von Berlin zu Veit nach Zschopau und mit dem Trainingsauto weiter nach Pößneck fahren sollte, um gegen Mittag bereits vor Ort Papierkram erledigen zu können. Veit sollte später mit dem Servicetransporter und der "Susi" auf dem Anhänger für die Besichtigung der Wertungsprüfungen (WP) und den Shakedown nachkommen.

Unerwarteterweise fuhr mein Zug mit 20 Minuten Verspätung in Berlin ab, so dass ich in Dresden den Anschlusszug verpasste und eine dreiviertel Stunde auf den Nächsten warten musste. Mein zweiter Umstieg in Flöha gestaltete sich in gleicher Weise. Ein beschaulicher Bahnhof ohne Mitarbeiter und daher in keinster Weise an Anschlussreisende interessiert. Kurz gesagt der Zug war auch weg. Ich hatte derweil eine weitere Stunde Zeit die zahlreichen männlichen "Himmelfahrtskommandos" zu beobachten und kam zwei Stunden verspätet in Zschopau an.

Im Trainingsauto auf dem Weg nach Pößneck sollte ich mich erst einmal beruhigen, waren wir doch eigentlich immer noch im Plan. Nachdem ich den Papierkram erledigte, wartete ich auf dem Shakedown Serviceplatz auf Veit... und wartete und wartete. Ich gesellte mich zu den Mechanikern von Mark Muschiols Rallyegarage und hatte bis dato noch keinen einzigen Strich im Aufschrieb.

Gegen halb sieben bekam ich einen Anruf. Veit! Er hatte zwei Reifenschäden am Anhänger und stand an einer Autobahnausfahrt, die sein Weiterkommen vorerst unmöglich machte. Dank dem spontanen und selbstlosen Einsatz von Jan Rößner, der mit seinem eigenen Anhänger hinterherkam, schafften wir es wenigstens noch rechtzeitig die "Susi" zum Shakedown zu bringen und ihr neues Reiger Fahrwerk zu testen. Unser erster Eindruck war durchaus positiv.

Nach einer kurzen, kalten (aber durchaus bequemen) Nacht im Servicefahrzeug, ging der Stress am nächsten morgen weiter. Während alle anderen Teilnehmer den Donnerstag bereits zum trainieren nutzten, mussten wir die gesamte Besichtigung in 6 Stunden meistern. Wir schafften es nicht ganz, erklärten uns bei der Rallyeleitung und bekamen das OK die letzte WP in aller Ruhe auch noch aufnehmen zu können. Danach kamen wir ein bisschen zur Ruhe und konnten uns auf den traditionellen Stadtrundkurs am Abend freuen. Ein großes Feuerwerk begleitete den Start zum Jubiläum. Um 0:03 Uhr war es dann so weit...

Rundkurs mit Gruppenstart von acht Fahrzeugen im Abstand von 10 Sekunden. In unserer Gruppe waren wir das erste Fahrzeug und Veit meinte selbstbewusst zu mir: "Ich lasse keinen vorbei". Doch was soll man machen, wenn Robert Stöber im VW Lupo dank 30 PS mehr auf einer Geraden einfach vorbei fährt. Nichts... Zur drittbesten Zeit reichte es trotzdem hinter Stöber und Dominik Dinkel im VW Polo. Ein guter Auftakt.

Der nächste Morgen begann mit der Königsprüfung "Oberland". 26 Kilometer lang, schnell und äußerst selektiv. Veit fühlte sich wohl, das spürte ich. Unser guter Aufschrieb gab ihm Sicherheit genauso wie das perfekt arbeitende Reiger Fahrwerk, dass ihm sichtlich Freude bereitete. Wir verloren nur 7 Sekunden auf Stöber und konnten uns auf den 2. Platz verbessern.

Die zweite WP des Tages begannen wir, wie wir die erste beendeten, kontrolliert und immer auf Zug, bis wir uns in einem "cut" von einem Schotterstück auf Asphalt einen Reifenschaden vorne links einfingen. Veit wollte sofort wechseln. Ich meinte jedoch er solle weiterfahren. Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Mit plattem Reifen fuhren wir noch 2 Kilometer und entschieden uns schliesslich doch zum Wechsel - die Katastrophe nahm ihren Lauf. Wir bekamen den Wagenheber nicht unter das Auto. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir mit Hilfe von drei Zuschauern die "Susi" auf den Wagenheber wuchten konnten. Hinzu kam, dass der Akkuschrauber nicht die gewohnte Kraft entfaltete und wir dadurch Probleme hatten, erstens den Wagenheber hoch zu bekommen und zweitens die Radmuttern des platten Rades zu lösen. Alles in allem verloren wir sechs! Minuten, fielen auf den siebten Platz zurück und waren damit Letzte.

Im Service wurden die kleinen Folgeschäden des Reifenschadens in gewohnt souveräner Weise von den Suzuki-KKL Mechanikern beseitigt. Danke Mike, Thomas und Ronny. Ich studierte derweil die Zeiten und rechnete aus, dass wir bis zu unserem Malheur dem viertplatzierten tschechischen Team Kastner/Morkus im Honda Civic ungefähr zwei Sekunden pro Kilometer abnahmen. Bei einem Rückstand von 4:20 Minuten und noch 108 zu fahrenen WP-Kilometern eine schwierige aber nicht unmögliche Aufgabe. Wir wollten es versuchen und schalteten frisch bereift um auf Angriff.

Mit drei zweitbesten Zeiten in Folge konnten wir unseren Rückstand auf das Honda-Team auf 2:20 Minuten reduzieren. Wir mussten dranbleiben und setzten in der nächsten WP noch einen drauf. Im Ziel nahm Veit seinen Helm ab, schaute zu mir rüber und sagte: "Henry, jetzt hab ich Dich!" Was er damit meinte war, dass er seinem Aufschrieb und meinen Ansagen blind vertrauen konnte. Wenn ein Fahrer das nach zweieinhalb Rallyes zu seinem Co sagen kann, dann ist das schon ein großes Lob. Wir fuhren Bestzeit. Neuer Rückstand 1:35 Minute.

In den letzten zwei WPs versuchten wir noch weitere Sekunden abzuknabbern, aber die Tschechen schienen den Braten gerochen zu haben und erhöhten für sich auch noch ein wenig die Schlagzahl. Uns liefen die WP Kilometer davon. Wir konnten zwar den Rückstand am Ende noch auf 37 Sekunden reduzieren, beendeten die Rallye aber auf einem respektablen 5. Platz.

Wie wichtig dieser 5. Platz am Ende der Saison sein kann, zeigt ein Blick auf die Meisterschaften in denen wir in diesem Jahr eingeschrieben sind. So konnten wir uns in der Deutschen Rallye Serie auf den 6. Platz und in der
ADMV Rallye Meisterschaft auf den 3. Platz verbessern.

Als Fazit bleibt, dass wir für die Zukunft noch nicht ganz optimal aufgestellt sind. Das perfektionieren von schnellen Reifenwechseln steht dabei wohl ganz oben auf der Liste. Trotzdem schauen wir frohen Mutes auf die nächsten Veranstaltungen.