Gegen die jungen Wilden

Bei einem Blick auf die Teilnehmerliste der AvD Sachsen-Rallye in der Klasse für seriennahe Fahrzeuge bis 1600 ccm, konnte man es schon erahnen. Diese Veranstaltung wird vom Kampf zwischen erfahrener Gelassenheit und junger Ungestümtheit geprägt sein, denn ohne uns mitgerechnet lag des Durchschnittsalter der Fahrer weit unter 25 Jahren.

Zugegebenermassen war ich im Vorfeld der Rallye der Überzeugung, dass wir mit dem nötigen Kampfgeist und Aggressivität eine realistische Chance hätten auch in Zwickau ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können und dem 20-jährigen Sepp Wiegand und seiner Beifahrerin Claudia Harloff einen ebenbürtigen Kampf mit gleichen Waffen bieten könnten. Unser letzter Sieg verblendete mich jedoch etwas, denn die Vorzeichen standen diesmal komplett anders. Verfügte Veit bei der Rallye Erzgebirge noch über ausgezeichnete Streckenkenntnis, waren ihm die Wertungsprüfungen (WP) in und um Zwickau zum grössten Teil unbekannt. Hinzu kam die fehlende Fahrpraxis von fast einem dreiviertel Jahr, und natürlich das noch fehlende Vertrauen in meine Ansagen. Ganz klar - so etwas braucht Zeit... Was leider auch noch Zeit braucht ist das Reiger Fahrwerk, das extra für die kleine "Susi" angefertigt wurde. So gesehen, mussten wir das Beste aus der Situation machen.

Bei Kaiserwetter starteten wir am Freitag Nachmittag in die erste Etappe. Mit langem Bremspedal und genauso langen Gesichtern verhiessen die Zeiten nach den ersten beiden WPs "Hirschfeld" und "Neuschönburg" jedoch nichts Gutes. Sepp Wiegand war von Beginn an einfach eine Klasse besser. Aber auch gegen Robert Stöber und Dominik Dinkel im leistungsstärkeren VW Lupo beziehungsweise Polo konnten wir nur bedingt mithalten. Veits Ansporn war es sukzessive seinen Rückstand auf unter eine Sekunde pro WP Kilometer zu drücken. Auf der fahrerisch nicht sehr anspruchsvollen dafür zuschauerfreundlichen WP "Glück-Auf-Brücke" im Zentrum Zwickaus waren wir dann erstmalig schneller als Wiegand. Zu Stöbers Bestzeit fehlten uns trotzdem immernoch 7 Sekunden... wie auch immer. Nach dem ersten Service lagen wir auf dem vierten Platz mit Aussicht aufs Podium.

Mit anderen Bremsbelägen und frisch montierten Lampenbaum ging es in die Dunkelheit der Abendprüfungen, in denen wir etwas von unserer frühen Startposition profitieren sollten und den Rückstand auf den drittplatzierten Dinkel verkürzen konnten, der die Strecken bereits im kompletten Dunkeln absolvieren musste. Dieser Kampf wurde jedoch durch den technischen Ausfall Dinkels auf der "Glück-Auf-Brücke" beendet und bescherte uns eine komfortable Situation auf dem Podium. Nach vorne ging aus eigener Kraft realistisch gesehen nichts mehr und nach hinten hatten wir bereits über anderthalb Minuten Vorsprung auf Sepp Wiegands Schwester Tina, ebenfalls in einem VW Lupo.

Von daher ist der Samstag kurz erzählt. Wir konzentirerten uns fortan darauf Reifen zu testen, bewusst eine saubere Linie und nach Aufschrieb zu fahren und ganz nebenbei auch noch Spass zu haben. Und der kam nicht zu kurz. Völlig befreit fuhren wir auf einmal auch ganz passable Zeiten und belegten schliesslich, trotz zwei kleinerer "Aha-Erlebnisse", mit einem Rückstand von 1:42 Minuten den dritten Platz. Im Ziel zollten wir dem jugendlichen Elan auf den ersten beiden Plätzen Respekt und mussten neidlos anerkennen: Um dort mitzufahren sind wir "Alten" noch zu jung.