Vom Pech verfolgt

Während meiner Anfahrt nach Osterode, saß ich im ICE nach Braunschweig, starrte aus dem Fenster, ließ meine Gedanken kreisen und passierte gerade das Volkswagen Werksgelände in Wolfsburg. Beim Anblick der großen VW Zeichens am Backsteingebäude dachte ich hoffnungsvoll, wie schön es doch wäre mit dem dritten Fahrer den dritten Sieg in Folge bei der ADAC Rallye Niedersachsen einzufahren. Die Wetterbedingungen sollten, zum ersten Mal in diesem Jahr, konstant bleiben und auch die Wertungsprüfungen (WPs) im Südharz würden unserem Golf, aus dem Hause, das am Horizont nun immer kleiner wurde, durchaus liegen. Doch wie sagt eine alte Motorsportweisheit so schön: „To finish first, you first have to finish!“ Was Sebastian und ich auch taten, aber nicht wie erhofft.

Auf der ersten WP war eigentlich noch alles gut. Wir fuhren die zweitbeste Zeit und waren überraschend gut und zügig unterwegs. Doch dann kam Elbingerode, die längste WP der Rallye, die über den Tag verteilt dreimal gefahren werden musste. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke, kamen wir in ein kurzes Waldstück in eine mittelschnelle Rechtskurve. Schon bei der Besichtigung gab es an dieser schattigen Stelle einen schmierigen, aber eigentlich problemlosen „cut“. Doch der nächtliche Regen und die zahlreichen Allradler, die vor uns auf die Strecke gingen, verwandelten die Kurve in ein kleines „Abenteuer“. Über alle vier Räder rutschten wir frontal in einen Erdwall und steckten fest. Sebastian meinte schon, das war es. Ich sah derweil, dass von der nächsten Kurve, wild entschlossene Zuschauer auf uns zu gerannt kamen und bereit waren, uns mit vereinten Kräften wieder rückwärts auf die Strecke zu schieben. An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei all denen bedanken, die uns mit ihrem Einsatz aus dieser misslichen und auch nicht ganz ungefährlichen Lage wieder befreiten.

Durch diesen Fehler verloren wir zweieinhalb Minuten und ich machte mir selbst Vorwürfe, diese problematische Stelle nicht schon vorher mit einem „Achtung“ oder „schmiert“ im Aufschrieb versehen zu haben. Mir war die Stelle aus den Vorjahren bestens bekannt. Sebastian nicht. Deshalb hätte ich ihn darauf hinweisen müssen... Glücklicherweise litt die Technik des Golfes nicht unter dem Ausrutscher. Ein paar Teile der Frontschürze fehlten zwar, aber dies sollte die Leistung nicht beeinträchtigen. Trotzdem ließen wir es auf der folgenden WP Eisdorf etwas ruhiger angehen.

Nach dem ersten Service lagen wir an der sechsten und damit letzten Position unserer Division - 1.5 Minuten hinter dem Team Wittorf/Kroll im BMW 320i, die bis dahin den 4. Platz innehatten. Ich rechnete aus, dass dies unter normalen Umständen die maximale Position wäre, die wir noch erreichen könnten.

Im Laufe des Tages schoben wir uns mit einer zweitbesten und drei drittbesten Zeiten, auf die fünfte Position nach vorne und reduzierten den Rückstand auf das noch immer viertplatzierte BMW Team. Zwei Prüfungen vor dem Ziel betrug dieser nur noch 23 Sekunden - eine durchaus lösbare Aufgabe, wenn alles passte. Tat es aber nicht, denn es ereilte uns wieder in Elbingerode.

Nachdem wir auf dem ersten Teilabschnitt voll auf Angriff gingen und nach meiner selbstgestoppten Zwischenzeit bereits 8 Sekunden schneller waren als beim zweiten Durchgang, mussten wir auf einer Bergabpassage einen T-Abzweig anbremsen. Im fast ausgedrehten 5. Gang hörte ich Sebastian auf einmal sagen, das er keinen Bremsdruck mehr spüre und das Pedal bereits auf dem Bodenblech hing. Nur Dank des gekonnten Einsatzes der Handbremse landeten wir nicht frontal in der weißen Stallmauer, sondern drehten uns sicher 180° dazu ein. Danach fehlte Sebastian das komplette Vertrauen in die Bremstechnik. Unser Angriff fand damit sein jähes Ende und wir rollten ohne Bremse durch die restlichen Prüfungen dem glücklosen 5. Platz entgegen. Im Ziel brachte es Sebastion dann schließlich auf den Punkt, indem er meinte: „Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die Anderen.“

Den 5. Platz im ADAC Junior Cup konnten wir trotz der mageren Punkteausbeute zwar noch halten, allerdings rutschten wir in der ADAC Masters Wertung auf den 11. Platz ab. Nun gilt es das Wochende abzuhaken, nach vorne zu blicken und neues Selbstvertrauen zu tanken. Beim nächsten Mal wird Fortuna hoffentlich wieder mit uns sein. Drücken Sie uns die Daumen.