Mission "666" übertroffen

Konnten wir bei der Erzgebirgsrallye vor zwei Wochen einen 3. Platz mit der Startnummer 33 noch relativ einfach nach Hause fahren, so stellte sich die Mission „6. Platz mit Startnummer 66“ für den 2. Lauf des ADAC Rallye Masters (ARM) als weitaus schwieriger heraus. Der Grund lag in einer gut gefüllten Division mit 14 Fahrzeugen, die teilweise unserem Golf III GTI nicht nur technisch überlegen waren, sondern zusätzlich von unheimlich starken Gaststartern beziehungsweise Lokalhelden gefahren wurden. Hinzu kam, dass es die Veranstaltung rund um das niedersächsische Sulingen mit 160 WP-Kilometern und unzähligen Abzweigen nicht nur auf dem Papier in sich hatte. Der nächtliche Regen von Freitag auf Samstag und das 20 km lange Labyrinth im alten Munitionslager auf dem IVG-Gelände, sollten am Vormittag für zusätzlichen Zündstoff sorgen.
Der beste Reifen für diese Bedingungen ist klassischerweise ein weicher Intermediate, mit dem Sebastian und ich auf die erste Schleife gingen. Nach hektischem Start sollte uns die zweite Kurve der Rallye auch gleich einmal aufwecken. An einem Links-Abzweig rutschten wir etwas von der Strecke. Dabei ging uns wie schon vor 2 Wochen der Motor aus. Doch diesmal spielte die Batterie problemlos mit. Weiter ging es, wenn auch abwartend und verhalten, in den Scharfrichter des IVG-Geländes. Nach dem ersten Drittel fanden Sebastian und ich unseren Rhythmus und kamen problemlos durch die schwierigste WP des Tages. Gegen die Lokalhelden hatten wir allerdings nicht den Hauch einer Chance. Nachdem die nächste WP wegen eines schweren Unfalls des Holländers Dennis Kuipers annulliert wurde, durfte der Golf zum wohlverdienten ersten 25-minütigen Service.
Dort diagnostizierten unsere Schrauber eine angerissene Antriebswelle. Das Team zögerte nicht lange und entschloss sich zum Wechsel. Ein Zuschauer fragte mich, ob wir es in der vorgesehen Zeit schaffen werden. Ich zögerte mit meiner Antwort. Nachdem ich die kaputte Antriebswelle aber bereits neben mir liegen sah und wir noch 17 Minuten Zeit hatten war klar: Die Jungs schaffen das. Nach 12 Minuten (!) war der Golf wieder voll einsatzbereit. Ein großes Danke an Thomas, Andreas und Markus.
Auf der identischen 2. Schleife fuhren wir weiter unseren Stiefel runter. Durchkommen, Kopf einschalten und Lernen, um am Nachmittag eine Schippe drauflegen zu können. Das war die Devise. Auf den trockenen Nachmittagsprüfungen sollte sich der technische Nachteil unseres Golfes nicht ganz so drastisch auswirken. Wir reihten uns auf den 8. Platz ein und lagen aussichtsreich 20 Sekunden hinter der von uns erstrebten 6. Position.
Mit guten Zeiten auf den nächsten 2 WPs verbesserten wir uns zuerst auf den 7. Platz und profitierten anschliessend vom erneuten Ausfall Olaf Müllers im BMW 320i, der uns die erhoffte 6. Position bescherrte. Dass wir am Ende sogar noch eine Position gewannen, lag am großen Pech des stark fahrenden Martin Schütte im Renault Clio 16V, der 3 km vor dem Ziel leider die Segel streichen musste. So viel Pech wünscht man nicht einmal seinem größten Feind.
Der 5. Platz in der für uns fast undankbaren Division 3, bescherrte Sebastian trotzdem 10 wichtige Punkte im Kampf um den ADAC Junior Cup 2012, in dem er sich auf den 6. Platz verbessern konnte. Und da haben wir ihn wieder - Mission erfüllt.
Ihr
Henry Wichura
foto :: Chris Kuhr
Fremdgänger Part II

Vor 4 Jahren fragte mich, der damals noch 20-jährige Sebastian Zimmermann aus Plauen, ob ich ihm als Beifahrer zur Seite stehen und beim Einstieg in den Rallyesport helfen könnte. Da ich aber bereits andere Verpflichtungen hatte, musste ich ihm leider absagen. Zwischendurch sind wir uns zwar das ein oder andere Mal in den Serviceparks Deutschlands über den Weg gelaufen, aber zu einer „ernsthaften“ Annäherung kam es dabei nie. Nachdem ich allerdings seinen Namen ohne Beifahrer in der Nennliste der diesjährigen 49. Erzgebirgsrallye gesehen habe, zögerte ich nicht lange und bot ihm meine Hilfe an.
Sebastian hat über den Winter in kompletter Eigenregie einen feinen, blütenweissen VW Golf 3 GTI für die Gruppe H aufgebaut. In jeder verbauten Schraube sieht man nicht nur seine Liebe zum Detail, sondern vor allem auch zur Ästhetik. Ganz getreu dem Motto: „Das Auge fährt mit“. Zusätzlich sollten ein neues Dogbox Getriebe, ein von VW-Spezialist Lehmann gemachter Motor und eine konsequente Gewichtsreduzierung, die Performance des Fahrzeugs bereits auf der Papierform verbessern. Im Vergleich zu den Kit-Cars gleichen Bautypes aber immer noch weit hinten anstehen, wie es sich auf den Wertungsprüfungen (WP) rund um Stollberg herausstellen sollte.
Der Freitagabend begann für uns mit dem anspruchsvollen und engen Rundkurs Oberdorf. Sebastian hatte sofort Vertrauen in meine Ansagen und tastete sich mit jeder Runde näher an das Limit des Autos heran. Hinter den bereits erwähnten Kit-Cars von Guido Imhoff und Armin Holz sowie dem BMW 320i von Olaf Müller fuhren wir ohne Schnörkel die viertbeste Zeit unserer Division. Auf dem Weg zurück zum Schlussservice ging uns jedoch der Motor aus und liess sich nicht mehr starten. Glücklicherwiese war die Strasse abschüssig, so dass wir mit etwas Anschieben den Motor wieder zum Leben erwecken konnten. Das Problem lag an einer geschwächten Batterie und begleitete uns die gesamte Rallye. Sollte uns der Motor erneut ausgehen, so hätte es jederzeit das Aus bedeuten können...
Da das Team Imhoff/Walker um einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung kämpfte und in seiner eigenen Liga fuhr und wir durch den Ausfall von Olaf Müller am Samstagmorgen kampflos den 3. Platz erbten, konzentrierten wir uns am zweiten Tag mehr auf die Zeiten von Armin Holz im zweiten Golf Kit-Car. 2 Sekunden Rückstand auf der WP Mildenau beziehungsweise 8 Sekunden auf dem „Klassiker“ in Grünhain waren durchaus bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass uns 50 PS weniger Leistung zur Verfügung stehen.
Nach dem ersten Service konnten das Team Holz/Nowotny jedoch noch ein Schippe drauflegen, so dass wir es beim Verwalten der dritten Position beliessen. Wenn da nicht dieses Problem mit der schwachen Batterie gewesen wäre. Auf der WP Jahnsdorf unterschätzten wir einen Abzweig über eine Kante. Der Golf wurde hinten ausgehebelt und wir rutschten frontal gegen einen Bordstein. Dabei ging uns der Motor abermals aus. Im Kopf klappte ich bereits den Aufschrieb zusammen und dachte: „Das war es jetzt!“ Nach zehn ewigen Sekunden dann ein erlösendes Aufheulen. Es ging weiter. Glück gehabt.
Für den zweiten, aber bedeutend größeren „Aha-Moment“, sorgte die einzige große Wolke der Rallye, die uns mit einem Regen- und Hagelschauer auf der WP Oberdorf überraschte. Mit Trockenreifen unterwegs sank mitten im Ort bei ca. 80 km/h die Drehzahl urplötzlich in den Keller. Aquaplaning! Sebastian meinte panisch nur noch zu mir: „Ich kann nichts mehr machen!“ Wie auf Eis rutschten wir 200 m unkontrolliert dahin und konnten keine Geschwindigkeit abbauen. Mit viel Glück brachte Sebastian das Fahrzeug auf einer großen Wiese wieder unter seine Kontrolle. Ohne Einschlag und was noch viel wichtiger war ohne Personenschaden. Solche Bedingungen hatte er noch nie zuvor erlebt und war erst einmal bedient. Auch an mir gingen diese Sekunden der totalen Ungewissheit nicht ganz spurlos vorbei und erinnerten mich wieder einmal daran, wie gefährlich der Rallyesport mitunter sein kann...
Den 3. Platz konnten wir trotzdem bis zum Ziel der Rallye halten und die ersten wichtigen Punkte für den ADAC Junior Cup einfahren.
In zwei Wochen werde ich erneut mit Sebastian an den Start gehen. Diesmal in Sulingen, dem 2. Lauf der ADAC Rallye Masters. Drücken Sie uns die Daumen - und zwar diesmal mit voll geladenen Batterien.
foto :: Sven Wenig
Fremdgänger Part I

Zur Rallye-Vogelsberg, dem 3. Lauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft, ergab sich für mich die Möglichkeit dem Zahnarzt Dr. Marius Klein in einem von Gassner-Motosport betreuten Mitsubishi Lancer Evo 7 den Weg zu weisen, da Marius’ angestammter Beifahrer Jörn Limbach bei Herrmann Gassner Jr. im neuentwickelten Mitsubishi Lancer EVO 10 R4 als Vorrausfahrzeug eingeplant war.
Schon im Vorfeld wurde ich darauf hingewiesen, nicht mit allzu großen Erwartungen anzureisen. Als Spät- und Quereinsteiger geht es Marius beim Rallyefahren vorrangig ums Sammeln praktischer Erfahrungen und dem Fahrspass im Allgemeinen. Dies waren ganz wichtige Informationen für mich. Ein Grundprinzip im Rallyesport besagt nämlich: Die Stimmung im Auto muss gut sein. Wenn Fahrer und Beifahrer mit unterschiedlichen Einstellungen und Zielen bei einer Rallye starten, sich dazu noch nie im Leben vorher gesehen haben, dann ist das nicht nur hinderlich für das gemeinsame Verständnis sondern auch lebensgefährlich. Speziell bei so anspruchsvollen Wertungs-prüfungen (WP), wie bei der diesjährigen Ausgabe der Rallye-Vogelsberg rund um Alsfeld und Schlitz. Von daher fiel es mir nicht schwer meinen Ehrgeiz zu zügeln und um ein paar Stufen zurückzuschrauben.
Nachdem es während der Besichtigung vereinzelt noch regnete, präsentierte sich das Wetter während der perfekt organisierten Veranstaltung von seiner besten Seite. Die Reifenwahl war damit gelöst: weiche Trockenreifen für die gesamte Rallye. Und so ging es für uns am Freitag Abend auf die Nachtprüfungen. Verhalten und kontrolliert fuhren wir unseren Stiefel runter. Eine kleine Überraschung gab es für mich an der Stoppstelle der ersten WP, als sich mein rechtes Brillenglas verselbständigte und ohne Gestell zwischen meinen Dokumenten wiederfand. Vor dem Start zum Schlitzer Stadtrundkurs konnte ich jedoch das Glas mit ein bisschen Tape wieder fixieren - wenn auch nur provisorisch. Mein Sichtfeld war zwar dadurch etwas eingeschränkt, den Aufschreibe konnte ich aber trotzdem problemlos vorlesen. Von den gefahrenen Zeiten ordneten wir uns im Mittelfeld der 85 gestarteten Teilnehmer ein.
Am Sonnabend und mit zunehmender Dauer der Rallye erhöhte Marius naturgemäß seine Schlagzahl, setzte spätere Bremspunkte und fuhr generell entspannter und runder. Er verbesserte sich von WP zu WP und tastete sich immer mehr an sein persönliches Limit heran. Dass auch der Spass dabei nicht auf der Strecke blieb, liegt bekanntlich in der Sache an sich. Insbesondere die letzten zwei WPs konnte man als ordentlich bezeichnen.
Am Ende landeten wir ohne technische Probeme auf einem guten 25. Gesamtplatz und 4. Platz in der Division. Nachdem das Team Schuhej/Reith, die einzigen Gegner in unserer Fahrzeugklasse, auf der letzten WP aufgeben mussten, konnten wir unverhofft sogar noch einen kleinen Klassensieg feiern, allerdings ohne sportlichen Wert - aber das interessiert die Statistik ja nicht.
Bedanken möchte ich mich beim ganzen Team von Gassner-Motorsport für den tollen Service und im speziellen bei Jörn Limbach, dass er in erster Linie an mich als Ersatzbeifahrer für die „Doktor-Kutsche“ gedacht hat.
foto :: Daniela Bingart
Spontaner Fahrspaß

Unerwartet fand am letzten Wochenende rund um den Motorpark Oscherleben mein frühzeitiger Saisonauftakt bei der Welfen-Winter-Rallye statt. Nach einem Jahr Pause hatte mein langjähriger Fahrer Thomas Robel zum einen wieder mal etwas Zeit und vor allem auch Lust verspürt, Autos im Wettbewerb am Limit zu bewegen - diesmal mit einem angemieteten Mitsubishi Lancer Evo 6 von Milon-Motorsport. Premiere für uns beide und von daher eine durchaus spannende Angelegenheit.
Im Vorfeld benachrichtigte mich Thomas darüber, doch bitte nachsichtig und nicht so streng mit ihm zu sein. Er wollte sich langsam an das für ihn neue Auto gewöhnen und innerhalb der drei Einzelläufe nach und nach steigern.
Der erste Lauf startete am Freitagabend bei windigem Regenwetter mit der ersten Wertungsprüfung (WP), die zum großen Teil auf einer Kartbahn gefahren wurde. Der Allradantrieb des Mitsubishis kam uns bei diesem Wetter und auf dem winkligen Kurs sicherlich entgegen und so konnten wir trotz zweier Fastdreher mit der zweitbesten Zeit überraschen. Auf der WP 2 hatten wir starke Probleme mit der Sicht. Die Innenbelüftung des Mitsubishis war falsch eingestellt und zielte konsequent auf den Fussbereich, anstatt die Windschutzscheibe von der Feuchtigkeit zu befreien. Verlust: 10 Sekunden. Dieses Problem konnte Thomas jedoch auf der kurzen Verbindungsetappe beheben. Nachdem wir schließlich unsere erste Gesamtbestzeit im zweiten Durchgang erzielten, fuhren wir einen ungefährdeten 2. Gesamtplatz und Gruppensieg nach Hause.
Über Nacht hörte es auf zu regnen, so dass die Strecken zum zweiten Lauf am nächsten Morgen zwar noch feucht waren, aber zunehmend abtrockneten. Im ersten Durchgang konnten wir uns, im Vergleich zum Vorabend, noch einmal deutlich steigern und mit zwei klaren Bestzeiten die Grundlage für unseren ersten kleinen Gesamtsieg schaffen. Allerdings waren die aufgezogenen Regenreifen danach nicht mehr zu gebrauchen.
In der Pause zum dritten Lauf, bei dem diesmal die Strecken in die entgegengesetzte Richtung befahren werden mussten, wechselten wir auf einen härteren und vor allem neuen Vorderreifen. Da uns aber nur weitere Regenreifen zur Verfügung standen, waren wir bei komplett trockenen Streckenbedingungen nicht mehr ideal bereift. Und das bestätigte sich bereits nach der ersten WP. Die Reifen überhitzten stark und waren sehr schnell nutzlos. Mit stumpfen Waffen kämpften wir zwar weiter, konnten den historischen Ford Escort von Lokalmatador Axel Potthast aber nicht mehr halten. Auch gegen die stark auftrumpfenden finalen Laufsieger Klimasch/Drechsler in einem weiteren Evo 6 und Hink/Pirrone im BMW M3 E46 waren wir chancenlos.
Und dennoch: Thomas fuhr mit dem Evo 6 als hätte er nie ein anderes Fahrzeug bewegt. Das überraschte nicht nur mich, sondern alle im Team. Und er selbst schien das Fahren sehr zu geniessen. Bezeichnend daher seine Aussage im Ziel:
„Henry, warum haben wir damit nicht schon viel früher angefangen?“
In der Addition aller drei Läufe erzielten wir den 2. Gesamtplatz und waren das beste Fahrzeug unserer Klasse. Ein rundum erfolgreicher Spaß.
foto :: Tino Konrad
Bleibt alles anders

In der familiären Umgebung der „Alten Spinnerei“ (Burgstädt/Chemnitz) wurden am letzten Wochenende die Sieger und Platzierten der ADMV Rallye Serien, der regionalen DMSB Meisterschaften und des Schotter-Cups des Jahres 2011 feierlich geehrt. Als Gesamtsieger der ADMV-Rallye-Meisterschaft folgten auch alle Mitglieder des Teams König-Rallyesport der Einladung und genossen einem geselligen Abend unter ihresgleichen. Nach den obligatorischen Begrüßungsworten von Walter Karow (ADMV) und dem Burgstädter Bürgermeister Lars Naumann, gab es ein reichhaltiges Buffet, das eine gute Basis für einen langen Abend schaffen sollte. Die anschließende Siegerehrung moderierte Rallye-Urgestein Alfred Gorny in gewohnt souveräner Manier. Für den rührendsten Moment des Abends sorgten die Witwe des im letzten Jahr tödlich verunglückten Heiko Scholz und Copilot Marcel Eichenauer, die Ihrem Mann und seinem Fahrer die Ehre erwiesen, seine letzte Urkunde entgegenzunehmen...
Zum großen Finale aller geehrten Teams wurden schlußendlich Veit und ich aufgerufen. Endlich durften wir unsere erste gemeinsame Meisterschaft ganz offiziell feiern - mit Pokal und Cuba Libre. Danach ging es „dezent“ zum angenehmen Teil des Abends über: Benzingespräche, Meinungaustausche, Zuprosten, Projektver-kündungen, Tanzeinlagen, Veits Geburtstag, Kampfansagen, nochmehr Zuprosten... ungefähr in der Reihenfolge - bis um vier Uhr morgens.
Zum Thema Projektverkündungen 2012 wurden natürlich auch wir befragt. Details konnten wir noch nicht verkünden, da wir uns derzeit in einer Phase befinden, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Drei dieser Entscheidungen wurde aber bereits gefällt. Zum Einen werden Veit und ich auch in diesem Jahr gemeinsam an den Start gehen - diesmal mit voller Konzentrieren auf die Deutsche Rallye Serie (DRS). Zum Anderen baut das Team von König-Rallyesport einen neuen Suzuki Swift Sport für uns auf. Eine Rohkarosse dafür wurde bereits ausfindig gemacht und geht nächste Woche nach Ungarn zum Einschweissen und Lackieren der Sicherheitszelle. Trotzdem liegt uns etwas die Zeit im Nacken und wir wissen noch nicht, ob wir die neue „Susi“ bereits zur ersten Veranstaltung der DRS präsentieren können...
foto :: Cornell Hache
Herber Rückschlag

Eigentlich wollten wir die Saison entspannt und mit einem Lächeln beenden und unsere kleine Chance auf den Titel in der Deutschen Rallye Serie nutzen. Doch beim Stehr Rallyesprint in Storndorf (Hessen) lief diesmal alles ein bißchen anders. Eine sehr kompakte Veranstaltung mit vielen Rundkursen, in deren Mittelpunkt das zuschauerfreundliche „Stehrodrom“ und vor allem der Spass liegt. Ob dies allerdings eines Endlaufes einer Nationalen Rallyeserie würdig ist, möchte ich bezweifeln.
Den Beginn bildete der lange Nachtrundkurs „Storndorf by Night“. Zügig holten wir während der ersten 2 Kilometer auf ein vor uns fahrendes Fahrzeug auf. In dessen aufgewirbeltem Staub verpassten wir jedoch den Bremspunkt für einen T-Links-Abzweig und knallten fast ungebremst frontal in einen tiefen Graben. Das war es. Titelträume ausgeträumt.
Dank des Kopf und Nackenrückhaltesystems HANS, hatten wir außer ein paar blauen Flecken im Schulterblattbereich und einem verletzten Stolz keine weiteren Blessuren. Allerdings nahm die „Susi“ schweren Schaden. Durch den harten Aufprall wurden die komplette Front des Fahrzeugs zerstört und die Vorderachse um 15 cm nach hinten verschoben. Mit hängenden Gesichtern und schwerem Herzens mussten wir den Swift aufladen. An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei der Sicherungsstaffel bedanken, die uns beim Aufladen so tatkräftig unterstützten.
„Wir bauen Euch ein neues Auto“ munterten uns unsere Mechaniker beim nächtlichen Trostbier wieder auf und bleibt für mich als Satz des Wochenendes hängen. Vorrausschauen und Abhaken. Auch Unfälle gehören zum Rallyesport dazu. Das mussten wir diesmal bitter erfahren.
Nach diesem Nullergebnis fielen wir auf den undankbaren 4. Platz in der Deutschen Rallye Serie zurück. Unsere Glückwünsche zur verdienten Meisterschaft gehen daher an unsere größten Konkurrenten des Jahres Robert Stöber und Thomas Wölfel im VW Lupo. Toll gemacht Jungs, aber beim nächsten Mal tauschen wir die Plätze...
foto :: privat
Im Blindflug zu Sieg und Titel

Man mag es ja kaum glauben, aber die Lausitz Rallye kannte ich bisher immer nur als Zuschauer. Nach zwölf Ausgaben des größten Schotterspektakels in Mitteleuropa, konnte ich aber am vergangenen Wochenende nun endlich auch mein Häkchen hinter „erlebt“ machen. Die diesjährige Veranstaltung zählte nicht nur zur Deutschen Rallye Serie (DRS) zählte, sondern bildete gleichzeitig den finalen Lauf der ADMV Rallye Meisterschaft (ARM).
Unsere Ausgangslage war relativ einfach. Als Meisterschaftsführende in der ARM, mussten wir eigentlich nur das Ziel erreichen. Komplizierter wurde die taktische Auslegung, wenn wir gleichzeitig unsere Chancen in der DRS wahren wollten. Dafür mussten wir uns mindestens vor dem DRS Führenden Team Stöber/Wölfel platzieren. Eine gesunde Mischung aus Angriff und materialschonender Fahrweise, sollte den Spaß zwar etwas minimieren aber in Hinblick auf beide Meisterschaften die vernünftigere Entscheidung sein. Erschwerend kam das Lausitzer Kaiserwetter hinzu (seltsam aber wahr). Sommerliche Temperaturen und kein Wind verwandelten die staubigen Schotterpisten in ein nebeldunstiges Labyrinth mit Sichtweiten von unter 20 m. Ein guter Aufschrieb konnte hier Minuten bringen...
19 beziehungsweise 24 Sekunden waren wir auf der ersten Wertungsprüfung (WP) am Freitagabend schneller als die beiden VW Polos von Robert Stöber und dem ausgewiesenen Schotterexperten Rudi Macht. Eine klare Bestzeit und beruhigende Standortbestimmung, da wir keinerlei Risiken am Anfang eingingen. Mit einsetzender Dunkelheit wurden die Bedingungen jedoch zunehmend irregulärer. Der Rallyeleitung blieb nichts anderes übrig als die WP „Reichwalde A“ zu annullieren und die restlichen WPs des Tages abzusagen. So schonten wir die „Susi“ für den harten zweiten Tag.
Am Morgen des zweiten Tages konnten wir abwarten, was die Konkurrenz hinter uns machte und jederzeit darauf reagieren, wenn es die Bedingungen erlaubten. 2 Sekunden nahmen uns Rudi Macht und Copilot Robert Patzig ab. Das war zu verschmerzen, sollte uns aber warnen, dass beide längst noch nicht aufgegeben haben. Robert Stöber versuchte derweil seinen dritten Platz zu halten und wollte nur noch ins Ziel. Es waren nicht einmal 50% der Rallye bewältigt.
Nachdem wir in der darauf folgenden WP „Arena B“ noch einmal 6 Sekunden schneller als Macht waren, pegelte sich unser Vorsprung bei 25 Sekunden ein. Dieser hätte nach der folgenden WP noch durchaus größer sein können, wenn wir nicht 13 Sekunden durch das Verpassen eines Abzweiges verloren hätten. Wir hatten zwar eine Bremsmarkierung im Aufschrieb zu stehen, diese wurde jedoch von einem der zahlreichen 318is Teams vor uns abgeräumt. Wie sich später herausstellte, sollten wir nicht die Einzigen sein, denen die Markierung urplötzlich fehlte...
Im anschließenden Service konnten wir von keinen Problemen am Fahrzeug berichten. Lediglich die zweite Getriebewelle schien etwas gegen unsere schnelle Gangart zu haben. Aber dem wusste Veit mit einem präziseren Schaltvorgang entgegenzuwirken. Von daher nur Standardarbeit für die Suzuki-KKL Mechaniker, die die „Susi“ gewohnt perfekt für die harten Bedingungen vorbereiteten.
Auf der zweiten Runde des Vormittags, sollten sich dann die Ereignisse überschlagen. Während Rudi Macht bereits auf der WP 8 durch technischen Defekt ausfiel, musste Robert Stöber eine WP später seine Segel streichen. Wir bekamen von alledem nichts mit, da es in den Kohleabbaugebieten rund um Boxberg kein Handynetz gab, und fuhren unseren Stiefel einfach weiter. Erst am Ende von WP 10 konnte mein Vater mir mitteilen, dass unsere Hauptkonkurrenten nicht mehr in der Rallye seien und wir „nur“ noch ins Ziel rollen müssen.
Doch dies schien leichter gesagt als getan. Mit großem Vorsprung die Klasse anzuführen und trotzdem jederzeit mit technischem Defekt ausfallen zu können, belastete Veits und meine Psyche ungemein. Das lange Warten vor dem Start der WPs wurde zur Qual und wir versuchten uns mit kleinen Scherzen abzulenken. Am Ende behielten wir die Nerven und die „Susi“ ihre Teile. Und so gab es im Ziel schließlich kein Halten mehr. Siegessekt und Freudentränen flossen in Strömen...
Mit unserem Sieg bei der 12. Lausitz Rallye feierten wir den Gewinn der ADMV Rallye Meisterschaft. Außerdem konnten wir uns durch dieses perfekte Wochenende in den Titelkampf um die Deutsche Rallye Serie zurückmelden und befinden uns wieder auf Podiumskurs.
Ein großes Dankeschön geht an alle Freunde und Beteiligten des Suzuki-KKL Rallyeteams, ohne deren selbstloses Engagement dieser Erfolg mit Sicherheit nicht möglich gewesen wäre. Danke Jungs... und Mädels.
foto :: Tino Konrad
Welle ohne Antrieb

Eigentlich wollten wir den vierten Lauf zur Deutschen Rallye Serie (DRS), die AvD Niederbayern Rallye, rund um die Gemeinden Ausserzell und Schöllnach auslassen, da es am Rallyewochenende mehrere Geburtstage in Veits Familie zu feiern gab. Doch unsere gute Ausgangsposition in der Zwischenwertung in der DRS veranlasste uns dazu, den weiten Weg nach Niederbayern zu wagen - auch um dem Meisterschaftsführenden Robert Stöber im starken VW Lupo das Feld nicht ganz kampflos zu überlassen. Große Siegchancen rechneten wir uns bei den schnellen Wertungsprüfungen (WP), die den leistungsstärkeren Fahrzeugen aus Wolfsburg besser liegen sollten, im Vorfeld jedoch nicht aus.
Nachdem das Quecksilber während der Besichtigung am Freitag bis auf tropische 36 °C stieg, sorgten ein bedeckter Himmel, Nieselregen und Temperatursturz auf 13 °C für herbstliche Stimmung am Rallyetag und machte die Reifenwahl auf den ersten Blick einfach. Mit weichen Intermediates wählten wir die sichere Variante. Die WPs waren jedoch weitestgehend trocken, so dass im Nachhinein die Trockenbereifung die eigentlich bessere Wahl gewesen wäre. Es ging aber auch so ganz ordentlich.
Auf den ersten drei Wertungsprüfungen konnten wir mit zweitbesten WP-Zeiten den Kontakt zur Spitze halten. Die bildete ein richtig gut aufgelegter Dominik Dinkel im VW Polo. Völlig befreit legte er von Anfang an Zeiten vor, an denen wir uns die Zähne ausbissen. Robert Stöber im VW Lupo schien dem zwar gut gegenhalten zu können aber mit dem ständigen Blick auf den Meisterschaftsstand auch etwas nervös zu sein. Wir dagegen fuhren unseren Stiefel weiter und bemühten uns, dass wir so wenig Zeit wie möglich auf die Beiden verloren. Auch in Hinblick auf den Nachmittag an dem sich Regen ankündigen sollte. Da wollten wir zuschlagen.
Im ersten Service hatten wir einen Rückstand von 12 beziehungsweise 10 Sekunden auf die zwei bayerischen Teams und wechselten auf Trockenreifen, wie viele andere Teilnehmer im Übrigen auch. Danach ging es, begleitet von einem immer stärker werdenden Nieselregen, in die zweite Runde.
Auf der 16 km langen WP „Ranfels-Burgsdorf II“ verloren wir mit 9 Sekunden erneut recht viel Zeit auf Stöber. Veit meinte jedoch, er könne nicht mehr machen, als die ganze Zeit auf dem Gas zu stehen. Mehr gab die „Susi“ nicht her. Ohne unser Wissen schien derweil Dominik Dinkel Probleme bekommen haben. Fast eine Minute nahmen wir ihm auf der WP ab und waren auf einem komfortablen zweiten Platz. 19 Sekunden hinter Stöber.
Während der Verbindungsetappe zur WP „Schlag II“ regnete es immer mehr und wir überlegten die Trockenreifen auf der Vorderachse gegen unsere mitgeführten Intermediates auszutauschen. Die sehr kompakte Rallye ließ jedoch ein schnelles Wechseln der Reifen zwischen den WPs nicht zu, so dass wir nun in den sauren Apfel beißen mussten. Zu unserem Glück Stöber/Wölfel aber auch. 3 Sekunden nahmen wir den Beiden ab und irgendwie schien sich das Blatt mit dieser Bestzeit wieder einmal zu unseren Gunsten zu wenden. Dominik Dinkel war inzwischen ausgeschieden und bevor es für uns zum zweiten mal auf den Rundkurs „Steinach“ ging, fing es wie aus Eimern an zu schütten.
Obwohl sehr viel Wasser inzwischen auf der Strasse stand, hatte ich in den ersten zwei Runden ein richtig gutes Gefühl. Veit hatte alles unter Kontrolle und fuhr unter den schwierigen Bedingungen voll auf Angriff. Doch in der Ausfahrt hörten wir auf einmal ein unangenehmes Klackern und verspürten immer stärkere Vibrationen. Veit vermutete zuerst einen Reifenschaden vorne links. Es sollte leider schlimmer kommen. Eine abgescherrte Antriebswelle bereitete unserer hoffnungsvollen Aufholjagd ein jähes Ende. Wir mussten aufgeben.
Es war Veits erster Antriebswellenschaden in seinem Leben und der erste technische Ausfall seit 2004. Leider diesmal zum ungünstigsten Zeitpunkt. Völlig unbedrängt konnte Robert Stöber die vollen Divisionpunkte nach Hause fahren und die Tabellenführung behaupten. Mit unserem Ausfall fielen wir auf den 7. Platz in der DRS zurück. Bei noch zwei ausstehenden Rallyes wird es nun sehr schwierig, um in der Meisterschaft noch ein Wörtchen mitzureden. Aber unmöglich ist es nicht...
Nachtrag:
Wie sich bei der Nachuntersuchung der „Susi“ rausgestellt hat, war es keine abgescherrte Antriebswelle gewesen, die unseren Ausfall verursacht hat, sondern ein Getriebeschaden.
foto :: Sascha Dörrenbacher
Regen + König = Regenkönig

Zur Wartburg Rallye in Eisenach habe ich seit meiner Kindheit eine ganz besondere Beziehung. In den 80er Jahren zählte sie nicht nur zum Pokal für Frieden und Freundschaft, sondern fand glücklicherweise auch immer in den Herbstferien statt. Damals war dies für mich die einzige Möglichkeit meinen Vater zu begleiten und eine Woche Rallyesport hautnah mitzuerleben. Der Charakter der Veranstaltung veränderte sich zwar im Laufe der Zeit und wurde an die Moderne angepasst, doch die Faszination blieb. Nach zwei Siegen in den letzten zwei Jahren freute ich mich darauf den Hattrick anzupeilen. Diesmal mit Veit König...
Doch schon beim Abfahren der Berg und Talbahnen um die Wartburg und einem Blick in die Starterliste der Division 9 rechneten wir uns ehrlich gesagt keine großen Chancen auf den Sieg aus. Gegen den VW Lupo des Führenden in der Deutschen Rallye Serie (DRS) Thomas Stöber, den VW Polo des jungen Talentes Dominik Dinkel und den Renault Twingo des Lokalmatadoren Markus Künkel, sind wir mit unserem Suzuki Swift schlichtweg untermotorisiert. Und so rollten wir eigentlich ohne große Erwartungen über die Startrampe auf dem Marktplatz in Eisenach.
Die erste Wertungsprüfung (WP) "Krauthausen I" gingen wir auch dementsprechend ganz kontrolliert an. Im Zeitenvergleich mit Stöber verloren wir 8 Sekunden. Damit konnte Veit leben. Viel interessanter gestaltete sich jedoch der Anruf meines Vaters, der noch immer an der Stoppstelle von WP 1 stand und auf die Zeiten unserer anderen Konkurrenten wartete. Es gab jedoch keine weiteren Konkurrenten. Tina Wiegand und Phillip Leger nahmen wir fast eine Minute ab, Dinkel schied mit technischem Defekt aus und Künkel legte den neuen Twingo gleich einmal ins Unterholz. Die beiden letztgenannten Teams sollten jedoch mit großem Rückstand am nächsten Tag wieder starten können. Nach bereits 10 von 130 zu fahrenden WP-Kilometern blieben demnach lediglich noch zwei Teams im Rennen um den Sieg übrig. Stöber und Unerwarteterweise wir.
Nachdem wir in der nächsten WP auch noch 10 Sekunden schneller als Stöber fuhren, übernahmen wir mit 2 Sekunden Vorsprung sogar die Führung in der Division 9. Auf der kurzen und welligen WP "Heldrastein I" trafen wir jedoch unglücklich einen verdeckten Stein und beschädigten uns die vordere rechte Felge. Wir verloren 5 Sekunden auf dieser und weitere 15 Sekunden auf dem folgenden Rundkurs "Deubachshof I".
Im anschließenden Service begann der große Reifenpoker, denn es kündigte sich ein Regenunwetter an. Nach dem Blick auf den Regenradar konnte ich Veit davon überzeugen, dass wir mit Intermediates auf der "sicheren" Seite wären. Zu unserer Überraschung setzte Stöber komplett auf Trockenreifen und zwei Intermediates im Kofferraum und traf damit eine sehr riskante Wahl. Pünktlich zum Start der WP "Krauthausen II" öffnete Petrus seine Schleusen. Veits Erfahrung unter diesen Bedingungen und Stöbers falsche Reifenwahl waren unsere Chance. Mit vier WP Bestzeiten in Folge konnten wir unseren Rückstand von 16 Sekunden in eine komfortable Führung von 49 Sekunden ummünzen und zufrieden ins Bett gehen.
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte, rüsteten die Mechaniker von Suzuki-KKL die "Susi" für die erste Schleife am Sonntagvormittag komplett auf Regenreifen und -abstimmung um. Im Kofferraum hatten wir zusätzlich zwei Intermediates - für den Fall, dass die Strecken trockener werden sollten. Kontrolliert und ohne Risiko fuhren wir konstant schneller als Stöber und bauten sukzessive unseren Vorsprung aus. Und daran änderte sich auch bei trockenen Bedingungen am Nachmittag nichts mehr.
Mit einem Vorsprung von 1:49 Minute gewannen wir die 52. Auflage einer perfekt organisierten ADAC Wartburg Rallye und bauten damit unsere Führung in der ADMV Rallye Meisterschaft weiter aus. Mit diesem unerwarteten Erfolg konnten wir uns zusätzlich in der Deutschen Rallye Serie auf den zweiten Platz verbessern.
An dieser Stelle möchte ich mich bei dem gesamten Team von Suzuki-KKL und meinem Vater für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken. Ohne sie wäre der Hattrick bei meiner Lieblingsrallye sicherlich nicht möglich gewesen. Danke Jungs...
foto :: Cornell Hache
0,9 Sekunden reichten

Am letzten Wochenende fand rund um Osterode am Harz der 4. Lauf zur ADMV Rallye Meisterschaft und letzte Vorlauf der ADAC Rallye Masters statt. Noch am Freitagabend im Servicepark kam der Masters Organisator Josef Kasper zu mir und meinte, dass er von uns eigentlich nur einen Sieg erwarten würde. Solche Erwartungshaltungen anzunehmen ist einfach, sie aber auch umzusetzen eine ganz andere und weitaus schwierigere Sache, denn dass der junge Thomas Bareuther und sein Beifahrer Thomas Schöpf (Suzuki Swift) uns den Sieg nicht ohne weiteres überlassen würden, war jedem der Beteiligten klar. Mit gleichen "Waffen" ausgerüstet, wurde es die engste und spannendste Rallye meines Lebens, bei dem das Wetter eine entscheidende Rolle spielen sollte.
Ein kurzer Regenschauer vor dem Start und konstant dunkle Wolken am Himmel machten uns die Reifenwahl einfach. Wir zogen Intermediates auf, wie Bareuther im Übrigen auch. Unsere Taktik am Morgen bestand darin uns erst langsam ans Limit der Reifen und vor allem die richtigen Bremspunkte für die zahlreichen Abzweige heranzutasten. Dadurch verloren wir 3,8 beziehungsweise 2,6 Sekunden auf den ersten beiden Wertungsprüfungen (WP). Ein erstes Lebens- und Achtungszeichen konnten wir aber auf der WP 3 "Eisdorf I" setzen. Mit der fünften Gesamt- und gleichzeitigen Divisionsbestzeit reduzierten wir unseren Rückstand auf 3,7 Sekunden. Auf dem nur 1,9 km langen Bergsprint "Lerbach" knabberten wir davon weitere 3,1 Sekunden ab und hatten bis dahin noch alle Trümpfe in der Hand.
Mit abtrocknender Strecke begannen jedoch unsere Probleme. Auf den beiden Rundkursen in "Ührde" fuhr Bareuther insgesamt 3,9 Sekunden schneller als wir. Doch damit nicht genug. 15,8 Sekunden(!) schenkten uns die beiden Bayern auf der längsten Start-Ziel WP "Elbingerode II" ein. Veit war danach völlig außer sich und ärgerte sich über sich selbst. Auf der Verbindungsetappe zum Service diskutierten wir, wo wir die Zeit liegen gelassen haben könnten und kamen zu dem Schluss, dass Veit unter trockenen Bedingungen generell zu zögerlich an die Abzweige heranbremst. Feuchte Bedingungen erfordern einen weicheren Umgang mit der Bremse und kommen dadurch Veits Fahrstil eher entgegen.
Bei einem Rückstand von 19,7 Sekunden vor den letzten drei WPs war es Zeit für einen Pakt. Veit und ich beschlossen beim abschließenden Service komplett auf Regenreifen zu wechseln. Aus eigener Kraft und unter normalen Umständen konnten wir gegen Bareuther nichts mehr ausrichten und unser Vorsprung auf das drittplatzierte Team Nils und Sina Hildebrandt im VW Polo betrug bereits über viereinhalb Minuten. Wenn es jedoch wie befürchtet regnen sollte, hätten wir noch eine kleine Chance auf den Sieg, denn Bareuther blieb auf den Intermediates, die er schon den ganzen Tag fuhr. Wir brauchten also nur noch ein wenig Hilfe von oben...
Bei leichtem Regen ging es erneut zum Bergsprint bei "Lerbach". Die 0,4 Sekunden, die wir schneller als Bareuther fuhren, reichten noch nicht aus. Unsere Reifen brauchten mehr Regen, um als echter Trumpf stechen zu können. Auf der anderen Seite lief uns, bei nur noch zwei zu fahrenden WPs, langsam die Zeit davon. Doch rechtzeitig vor dem Start der vorletzten WP beobachtete ich, wie die Tropfen auf der Frontscheibe immer mehr wurden... "Jetzt ist es soweit", sagte ich und Veit wusste, was das bedeutet: Angriff.
11,1 Sekunden nahmen wir Bareuther ab. Das Blatt schien sich nun zu unseren Gunsten zu wenden. Doch auf der Verbindungsetappe zur letzten WP "Eisdorf III" zog der Suzuki plötzlich immer mehr nach links. Bei unserer Aufholjagd fingen wir uns einen schleichenden Platten vorne rechts ein. Da wir nur einen Intermediate als Reserverad mit uns führten, wechselten wir den hinteren rechten Regenreifen nach vorne und montierten das Reserverad hinten. Mit dieser abenteuerlichen Bereifung rechneten wir mit einigen "Aha-Erlebnissen" im Renntempo. Wir beließen es bei deren zwei, die aber auch unweigerlich das Aus bedeuten hätten können. Im Ziel der WP waren wir laut Aussage der Sportwarte an der Stoppstelle 9 Sekunden schneller als Bareuther. Ob das reichte?
Laut meiner Rechnung sollten Zehntelsekunden über Sieg oder Niederlage entscheiden. Aber selbst vor dem abschließenden Zielbogen hatten wir noch keine Sicherheit über den Ausgang der Rallye. Sogar die Stimmen im Servicepark waren geteilter Meinung. Manche sagten wir hätten mit drei Sekunden Vorsprung gewonnen, andere wussten es überhaupt nicht. Letztendlich kam die erlösende Nachricht durch unsere Mechaniker.
Mit 0,9 Sekunden Vorsprung gewannen wir auf der letzten WP die 6. Rallye Niedersachsen und übernahmen damit die Führung in der ADMV Rallye Meisterschaft. Petrus sei dank...
foto :: Mario Adolph
Platten, Pech und Pannen

Es begann mit der Anreise zur Jübiläumsveranstaltung des MSC Pößneck der 50. DMV Thüringen Rallye. Der Plan sah vor, dass ich morgens mit dem Zug von Berlin zu Veit nach Zschopau und mit dem Trainingsauto weiter nach Pößneck fahren sollte, um gegen Mittag bereits vor Ort Papierkram erledigen zu können. Veit sollte später mit dem Servicetransporter und der "Susi" auf dem Anhänger für die Besichtigung der Wertungsprüfungen (WP) und den Shakedown nachkommen.
Unerwarteterweise fuhr mein Zug mit 20 Minuten Verspätung in Berlin ab, so dass ich in Dresden den Anschlusszug verpasste und eine dreiviertel Stunde auf den Nächsten warten musste. Mein zweiter Umstieg in Flöha gestaltete sich in gleicher Weise. Ein beschaulicher Bahnhof ohne Mitarbeiter und daher in keinster Weise an Anschlussreisende interessiert. Kurz gesagt der Zug war auch weg. Ich hatte derweil eine weitere Stunde Zeit die zahlreichen männlichen "Himmelfahrtskommandos" zu beobachten und kam zwei Stunden verspätet in Zschopau an.
Im Trainingsauto auf dem Weg nach Pößneck sollte ich mich erst einmal beruhigen, waren wir doch eigentlich immer noch im Plan. Nachdem ich den Papierkram erledigte, wartete ich auf dem Shakedown Serviceplatz auf Veit... und wartete und wartete. Ich gesellte mich zu den Mechanikern von Mark Muschiols Rallyegarage und hatte bis dato noch keinen einzigen Strich im Aufschrieb.
Gegen halb sieben bekam ich einen Anruf. Veit! Er hatte zwei Reifenschäden am Anhänger und stand an einer Autobahnausfahrt, die sein Weiterkommen vorerst unmöglich machte. Dank dem spontanen und selbstlosen Einsatz von Jan Rößner, der mit seinem eigenen Anhänger hinterherkam, schafften wir es wenigstens noch rechtzeitig die "Susi" zum Shakedown zu bringen und ihr neues Reiger Fahrwerk zu testen. Unser erster Eindruck war durchaus positiv.
Nach einer kurzen, kalten (aber durchaus bequemen) Nacht im Servicefahrzeug, ging der Stress am nächsten morgen weiter. Während alle anderen Teilnehmer den Donnerstag bereits zum trainieren nutzten, mussten wir die gesamte Besichtigung in 6 Stunden meistern. Wir schafften es nicht ganz, erklärten uns bei der Rallyeleitung und bekamen das OK die letzte WP in aller Ruhe auch noch aufnehmen zu können. Danach kamen wir ein bisschen zur Ruhe und konnten uns auf den traditionellen Stadtrundkurs am Abend freuen. Ein großes Feuerwerk begleitete den Start zum Jubiläum. Um 0:03 Uhr war es dann so weit...
Rundkurs mit Gruppenstart von acht Fahrzeugen im Abstand von 10 Sekunden. In unserer Gruppe waren wir das erste Fahrzeug und Veit meinte selbstbewusst zu mir: "Ich lasse keinen vorbei". Doch was soll man machen, wenn Robert Stöber im VW Lupo dank 30 PS mehr auf einer Geraden einfach vorbei fährt. Nichts... Zur drittbesten Zeit reichte es trotzdem hinter Stöber und Dominik Dinkel im VW Polo. Ein guter Auftakt.
Der nächste Morgen begann mit der Königsprüfung "Oberland". 26 Kilometer lang, schnell und äußerst selektiv. Veit fühlte sich wohl, das spürte ich. Unser guter Aufschrieb gab ihm Sicherheit genauso wie das perfekt arbeitende Reiger Fahrwerk, dass ihm sichtlich Freude bereitete. Wir verloren nur 7 Sekunden auf Stöber und konnten uns auf den 2. Platz verbessern.
Die zweite WP des Tages begannen wir, wie wir die erste beendeten, kontrolliert und immer auf Zug, bis wir uns in einem "cut" von einem Schotterstück auf Asphalt einen Reifenschaden vorne links einfingen. Veit wollte sofort wechseln. Ich meinte jedoch er solle weiterfahren. Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Mit plattem Reifen fuhren wir noch 2 Kilometer und entschieden uns schliesslich doch zum Wechsel - die Katastrophe nahm ihren Lauf. Wir bekamen den Wagenheber nicht unter das Auto. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir mit Hilfe von drei Zuschauern die "Susi" auf den Wagenheber wuchten konnten. Hinzu kam, dass der Akkuschrauber nicht die gewohnte Kraft entfaltete und wir dadurch Probleme hatten, erstens den Wagenheber hoch zu bekommen und zweitens die Radmuttern des platten Rades zu lösen. Alles in allem verloren wir sechs! Minuten, fielen auf den siebten Platz zurück und waren damit Letzte.
Im Service wurden die kleinen Folgeschäden des Reifenschadens in gewohnt souveräner Weise von den Suzuki-KKL Mechanikern beseitigt. Danke Mike, Thomas und Ronny. Ich studierte derweil die Zeiten und rechnete aus, dass wir bis zu unserem Malheur dem viertplatzierten tschechischen Team Kastner/Morkus im Honda Civic ungefähr zwei Sekunden pro Kilometer abnahmen. Bei einem Rückstand von 4:20 Minuten und noch 108 zu fahrenen WP-Kilometern eine schwierige aber nicht unmögliche Aufgabe. Wir wollten es versuchen und schalteten frisch bereift um auf Angriff.
Mit drei zweitbesten Zeiten in Folge konnten wir unseren Rückstand auf das Honda-Team auf 2:20 Minuten reduzieren. Wir mussten dranbleiben und setzten in der nächsten WP noch einen drauf. Im Ziel nahm Veit seinen Helm ab, schaute zu mir rüber und sagte: "Henry, jetzt hab ich Dich!" Was er damit meinte war, dass er seinem Aufschrieb und meinen Ansagen blind vertrauen konnte. Wenn ein Fahrer das nach zweieinhalb Rallyes zu seinem Co sagen kann, dann ist das schon ein großes Lob. Wir fuhren Bestzeit. Neuer Rückstand 1:35 Minute.
In den letzten zwei WPs versuchten wir noch weitere Sekunden abzuknabbern, aber die Tschechen schienen den Braten gerochen zu haben und erhöhten für sich auch noch ein wenig die Schlagzahl. Uns liefen die WP Kilometer davon. Wir konnten zwar den Rückstand am Ende noch auf 37 Sekunden reduzieren, beendeten die Rallye aber auf einem respektablen 5. Platz.
Wie wichtig dieser 5. Platz am Ende der Saison sein kann, zeigt ein Blick auf die Meisterschaften in denen wir in diesem Jahr eingeschrieben sind. So konnten wir uns in der Deutschen Rallye Serie auf den 6. Platz und in der ADMV Rallye Meisterschaft auf den 3. Platz verbessern.
Als Fazit bleibt, dass wir für die Zukunft noch nicht ganz optimal aufgestellt sind. Das perfektionieren von schnellen Reifenwechseln steht dabei wohl ganz oben auf der Liste. Trotzdem schauen wir frohen Mutes auf die nächsten Veranstaltungen.
foto :: rallyefokus.de
Gegen die jungen Wilden

Bei einem Blick auf die Teilnehmerliste der AvD Sachsen-Rallye in der Klasse für seriennahe Fahrzeuge bis 1600 ccm, konnte man es schon erahnen. Diese Veranstaltung wird vom Kampf zwischen erfahrener Gelassenheit und junger Ungestümtheit geprägt sein, denn ohne uns mitgerechnet lag des Durchschnittsalter der Fahrer weit unter 25 Jahren.
Zugegebenermassen war ich im Vorfeld der Rallye der Überzeugung, dass wir mit dem nötigen Kampfgeist und Aggressivität eine realistische Chance hätten auch in Zwickau ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können und dem 20-jährigen Sepp Wiegand und seiner Beifahrerin Claudia Harloff einen ebenbürtigen Kampf mit gleichen Waffen bieten könnten. Unser letzter Sieg verblendete mich jedoch etwas, denn die Vorzeichen standen diesmal komplett anders. Verfügte Veit bei der Rallye Erzgebirge noch über ausgezeichnete Streckenkenntnis, waren ihm die Wertungsprüfungen (WP) in und um Zwickau zum grössten Teil unbekannt. Hinzu kam die fehlende Fahrpraxis von fast einem dreiviertel Jahr, und natürlich das noch fehlende Vertrauen in meine Ansagen. Ganz klar - so etwas braucht Zeit... Was leider auch noch Zeit braucht ist das Reiger Fahrwerk, das extra für die kleine "Susi" angefertigt wurde. So gesehen, mussten wir das Beste aus der Situation machen.
Bei Kaiserwetter starteten wir am Freitag Nachmittag in die erste Etappe. Mit langem Bremspedal und genauso langen Gesichtern verhiessen die Zeiten nach den ersten beiden WPs "Hirschfeld" und "Neuschönburg" jedoch nichts Gutes. Sepp Wiegand war von Beginn an einfach eine Klasse besser. Aber auch gegen Robert Stöber und Dominik Dinkel im leistungsstärkeren VW Lupo beziehungsweise Polo konnten wir nur bedingt mithalten. Veits Ansporn war es sukzessive seinen Rückstand auf unter eine Sekunde pro WP Kilometer zu drücken. Auf der fahrerisch nicht sehr anspruchsvollen dafür zuschauerfreundlichen WP "Glück-Auf-Brücke" im Zentrum Zwickaus waren wir dann erstmalig schneller als Wiegand. Zu Stöbers Bestzeit fehlten uns trotzdem immernoch 7 Sekunden... wie auch immer. Nach dem ersten Service lagen wir auf dem vierten Platz mit Aussicht aufs Podium.
Mit anderen Bremsbelägen und frisch montierten Lampenbaum ging es in die Dunkelheit der Abendprüfungen, in denen wir etwas von unserer frühen Startposition profitieren sollten und den Rückstand auf den drittplatzierten Dinkel verkürzen konnten, der die Strecken bereits im kompletten Dunkeln absolvieren musste. Dieser Kampf wurde jedoch durch den technischen Ausfall Dinkels auf der "Glück-Auf-Brücke" beendet und bescherte uns eine komfortable Situation auf dem Podium. Nach vorne ging aus eigener Kraft realistisch gesehen nichts mehr und nach hinten hatten wir bereits über anderthalb Minuten Vorsprung auf Sepp Wiegands Schwester Tina, ebenfalls in einem VW Lupo.
Von daher ist der Samstag kurz erzählt. Wir konzentirerten uns fortan darauf Reifen zu testen, bewusst eine saubere Linie und nach Aufschrieb zu fahren und ganz nebenbei auch noch Spass zu haben. Und der kam nicht zu kurz. Völlig befreit fuhren wir auf einmal auch ganz passable Zeiten und belegten schliesslich, trotz zwei kleinerer "Aha-Erlebnisse", mit einem Rückstand von 1:42 Minuten den dritten Platz. Im Ziel zollten wir dem jugendlichen Elan auf den ersten beiden Plätzen Respekt und mussten neidlos anerkennen: Um dort mitzufahren sind wir "Alten" noch zu jung.
foto :: rallyebilder24.de
Einstand nach Mass

Während die Planungen in der deutschen Rallye Landschaft so unberechenbar wie schon lange nicht mehr - nein eigentlich wie noch nie waren - und Aktive und Organisatoren sich in Kopfschütteln und stiller Verunsicherung übten, das hoffnungsvolle WRC Academy Projekt mit Philipp Knof an der Finanzierung scheiterte und mein langjähriger Fahrer Thomas Robel eine unbestimmte Auszeit vom Rallyesport nimmt, stand ich bis vor zwei Wochen noch ohne Fahrer und damit ohne Beschäftigung da. Bis eine E-mail von Veit König ins Haus flatterte...
Veit König ist Inhaber der Suzuki KKL GmbH und seitdem eng mit den Japanern verbunden. Ein aufgeweckter zweifacher Familienvater, mit grosser Leidenschaft für den Rallyesport - jemand der anpackt und nebenbei verdammt gut Auto fährt. Mark Muschiol, den ich bereits vorher über meine missliche Lage unterrichtete, stellte den Kontakt her. An dieser Stelle möchte ich mich bei Mark recht herzlich für seine Hilfe bedanken. Veit suchte einen Copiloten für die ADMV-Rallye-Meisterschaft, da sein angestammter Beifahrer Michael Schwendy aus beruflichen und familiären Gründen in diesem Jahr nicht zur Verfügung stand. Und ich sagte "Ja", denn - "Ick hatte ja eh nüscht besserit zu tun!" - Unsere erste gemeinsame Rallye: Veits Heimspiel im Erzgebirge am letzten Wochenende.
Veit hatte mich, wie er während der Besichtigung zugeben musste, vorher noch nie gesehen, geschweige denn hatte er eine Ahnung davon ob er meinen Ansagen vertrauen schenken kann. Und so ging es auf der ersten WP, dem bekannten Rundkurs in Jahnsdorf, in erster Linie erst einmal darum uns gegenseitig kennenzulernen. Obwohl die Wolken bedrohlich aussahen, blieb es trocken. Wir fuhren auf unserer ersten gemeinsamen WP die zweitbeste Zeit und konnten von daher zufrieden und in aussichtreicher Position schlafen gehen.
Am nächsten Morgen starteten wir mit zwei Bestzeiten und führten auf einmal unsere Division mit 12 Sekunden Vorsprung an. Sorgen bereitete uns die verbogene Hinterachse, die den Suzuki Swift Sport nach einem schweren Schlag auf den Platten der WP Schlettau nicht mehr wie gewohnt in der Spur hielt. Aber mit harten Schlägen und schwerem Geschütz der Servicecrew auf die geschwächte Stelle, liess sich auch dieses Problem provisorisch lösen. Es sollte das einzige des gesamten Wochenendes bleiben.
Da wir nicht wussten, wie sich die notdürftig korrigierte Hinterachse im Renntempo verhielt, liessen wir es anschliessend etwas ruhiger angehen. Veit meinte jedoch er hätte den zweiten Durchgang auf der WP Schlettau verschlafen. Es reichte trotzdem zur zweitbesten Zeit.
Mit weiteren klaren Bestzeiten auf den nächsten zwei WPs, aber auch durch Fehler und Pech unserer Verfolger, liessen wir keinen Zweifel aufkommen, dass wir uns am heutigen Tag eigentlich nur selbst schlagen konnten. Im Modus: "Vorsprung halten", den wir später ergänzten mit: "Ja nichts mehr riskieren", fuhren wir bei unserer Premiere gleich einen überlegenen Sieg in der teilnehmerstärksten Division 6 nach Hause und krönten damit ein in jeder Hinsicht perfektes Wochenende. Mit Platz 11 in der Gesamtwertung blieb uns allerdings ein Top-10 Ergebnis verwehrt.
In der ADMV-Rallye-Meisterschaft liegen wir nach der ersten Veranstaltung auf dem zweiten Platz hinter dem Team Wiegand/Harloff, die an diesem Wochenende eine eindrucksvolle Vorstellung ihres Könnens zeigten. Chapeau...
foto :: Tino Konrad
Dinner for 2

Der ADAC lud ein zur Sport Gala nach München und wir folgten. Zum einen, weil die Planungen für die nächste Saison bereits in vollem Gange sind. Zum anderen, weil diese Art von Ehrungen in ungewohntem Rahmen und fernab von Motorenlärm am Ende des Jahres zum guten Ton und Umgang einfach dazugehören. Nicht nur gegenüber von Presse und Medienvertretern, sondern auch dem ADAC selbst. Von daher war es ein gelungener Abend, in jeder Hinsicht.
Auf der Anreise von Berlin nach München hatte ich jedoch viel Zeit, um über diese ganze Sache nachzudenken. Mich beschlich die Kuriosität des "Man sieht sich im Leben immer zweimal"-Gefühls, dessen Ursprung immerhin zweieinhalb Jahre zurück liegt. Es war zum Zeitpunkt der Siegerehrung der Rallye Vogelsberg, dem zweiten Lauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft 2008.
Im Rallyebüro des Veranstalters gab es eine grosse Auseinandersetzung mit den Offiziellen des ADAC und uns, da wir in einer anderen Division gewertet wurden, als wir genannt hatten, von den Technischen Komissaren eingestuft wurden und schliesslich gestartet sind. Dieser Fauxpas kostete uns 10 Punkte in der Meisterschaft und um die wollten wir fernab der Wertungsprüfungen in einem klärenden Gespräch kämpfen. Der Ton war rau und endete trotz meiner diplomatischen Versuche mit einem Verweis aus dem Rallyebüro und den abschliessenden Worten des ADAC: "Wenn wir Teil der grossen Rallyefamilie werden möchten, müssen wir noch viel lernen!" Wir stiegen konsequenterweise aus der Deutschen Rallye Meisterschaft aus und konzentrierten uns auf die Deutsche Rallye Serie, die wir schliesslich als Meister beendeten...
Dass sich unser Verhältnis zum ADAC im Laufe der letzten Jahre verbesserte, ist wohl in erster Linie unseren Erfolgen zuzuschreiben. Es waren schliesslich die selben Leute, die sich um unser Wohlergehen während der Sport Gala kümmerten, die uns noch zweieinhalb Jahre zuvor des Rallyebüros verwiesen! Beide Seiten scheinen erkannt zu haben, dass sie Teil des Sports sind und dass der Sport im Vordergrund stehen muss. Nur durch ein Umdenken auf dieser Ebene können bestehende Mauern überwunden und eine gemeinsame Basis der Zusammenarbeit geschaffen werden.
Daher würde ich mir für die Zukunft ein solches Vorgehen auch für die deutsche Motorsporthoheit und deren einzelne Verbände wünschen... für den Rallyesport und für ein Miteinander.
It ain't over till it's over

Als Führende im ADAC Junior Cup und zweite in der HJS Diesel Rallye Masters reisten wir zum letzten Meisterschaftslauf nach Niederbayern, zum Herbstklassiker "3-Städte-Rallye". Ganz nebenbei sei erwähnt, dass wir sogar noch Chancen auf den ADAC Masters Titel hatten. Diese waren allerdings rein rechnerischer Natur und wurden deshalb auch nicht in unsere Strategie mit eingebunden (bei der Thomas und ich uns im Übrigen mal nicht ganz einig waren). Thomas wollte eigentlich nur den Junior Cup gewinnen. Ich dagegen fand es auch noch ganz wichtig die Vizemeisterschaft bei dem Dieseln abzusichern. Um beide Ziele zu erreichen, mussten wir mindestens fünfte werden, während der HJS-Meister des Vorjahres und Junior Cup Gewinner von 2001 Holger Knöbel nicht siegen durfte. Auf dem Papier eine einfache Rechnung, auf den Wertungsprüfungen (WPs) der 3-Städte-Rallye eine echte Zitterpartie.
Viel zu zaghaft gingen wir auf den schmierigen WPs am Morgen zu Werke. Thomas war von seiner falschen Reifenwahl und dem nervösen Fahrverhalten des Golfs verunsichert oder zu sehr darauf bedacht lediglich auf Ankommen zu fahren. Ich wusste nicht genau, was mit ihm los war, aber am Ziel der ersten WP entnahm ich dem Gesicht meines Vaters und den Zeiten Böses. Satte 29 Sekunden verloren wir auf Knöbel... und es sollten nicht die Letzten sein. Nach 3 WPs betrug unser Rückstand auf die Spitze knapp 2 Minuten! Man kann da ganz selbstkritisch ruhig einmal von einer echten "Packung" reden.
Glücklicherweise war Alois Scheidhammer bei seiner Heimveranstaltung sehr gut aufgelegt und als einziger der Dieselmannen in der Lage Knöbels Tempo an der Spitze mitzugehen oder sogar schneller zu sein. Wir dagegen mussten zusehen, dass wir unsere Reifenprobleme und vor allem Psyche in den Griff bekamen.
Mit leicht verändertem Fahrwerk und besser bereift gingen wir in die zweite Schleife, um Florian Wacha im Opel den von uns angestrebten 5. Platz streitig zu machen. Doch so richtig wollte es uns nicht gelingen den Vorsprung zu reduzieren, nicht zuletzt weil Sohn und Vater Wacha erstaunlich gut dagegen hielten und wir noch immer nicht bereit waren alles zu riskieren. Trotz der ersten Top 3 Zeiten pendelte sich unser Rückstand auf die Beiden bis zur letzten Schleife auf 25 Sekunden ein. Holger Knöbel schien derweil den Willen Scheidhammers gebrochen und immer die passendere Antwort auf die Angriffe des Bayern gehabt zu haben. Es sah also ganz danach aus, als ob wir lediglich das Minimalziel Junior Cup erreichen sollten. Doch dann erwachte unser Kampfgeist...
Auf dem langem Rundkurs "Tillbach II" nahmen wir Wacha mit einer famosen Bestzeit 6,5 Sekunden ab, auf der folgenden längsten WP des Tages weitere 20! Unerklärlich und faszinierend zugleich empfand ich unser Zusammenspiel auf den letzten drei WPs. Ganz besonders, wie wir uns auf den Punkt konzentrieren und explodieren konnten und uns so zu dieser Leistung antrieben. Mit einer weiteren klaren Bestzeit erreichten wir das Ziel der letzten WP und fuhren mit dem Gewissen den Junior Cup gewonnen, die Diesel-Vizemeisterschaft jedoch vergeigt zu haben, halb zufrieden Richtung Haslinger Hof - dem Ziel der Veranstaltung.
Doch wie besang es einst Lenny Kravitz in einem seiner Lieder - "It ain't over till its over".
Auf dem besagtem Weg zum Ziel, klingelte mein Telefon. Ich wusste, dass es mein Vater war, der noch immer am Ziel der letzten WP stand, und war gespannt, was er zu berichten hatte. Er vermeldete den Ausfall des Führenden Holger Knöbel auf der letzten WP. Ungläubig schauten Thomas und ich uns an... dann war es still im Auto, weil wir beide wussten was es für uns bedeutet...
Das ist Rallye.
foto :: Mathias Mahrholz
Titelentscheidungen gefallen

Wir waren das einzige Team in der HJS-Diesel Rallye Masters, das die Titelvergabe noch hätte verhindern können. 30 Punkte betrug der Vorsprung von Björn Mohr und Oliver Becker. Ein 6. Platz bei der 3. ADAC Ostsee Rallye am letzten Wochenende hätte ihnen genügt, um den Kampf um den Titel vorzeitig für sich zu entscheiden. In Anbetracht der Tatsache, dass wir dafür hätten gewinnen müssen, sahen wir unsere Chancen mit einer gesunden Portion kämpferischen Realismus. Realistisch, weil wir wussten, wie schwierig es werden würde diese Rallye zu gewinnen. Kämpferisch, weil wir es dem Team Mohr/Becker dann doch nicht ganz so einfach machen wollten...
Eigentlich versprach der Wetterbericht schönes Wetter für den Veranstaltungstag. Allerdings vernahmen meine Augen eher ein "Grau in Grau" mit Aussicht auf Regen, als sie morgens aus dem Schlafsack schauten und meine Stimmung etwas in den Keller sinken liessen. Thomas hingegen war schon das ganze Wochenende gut drauf und beschloss, wie alle anderen HJS-Teilnehmer auch, die Rallye auf Slicks zu beginnen. Unerwarteterweise überzog die hohe Luftfeuchtigkeit der Ostsee die glatte Asphaltoberfläche mit einem Film, und machte die ersten beiden Wertungsprüfungen "Heiligenhafen" und "Klingstein" zu einer schmierigen Angelegenheit. Wir riskierten nicht allzu viel und fuhren mit kontrolliertem Schaum zweimal die drittbeste Zeit. Anschliessend ging es für uns auf den Truppenübungsplatz "Putlos". Mit 19 km, war sie die längste WP der gesamten Rallye und ein großer Spielplatz für Rallyefahrer zugleich. Ganz so unübersichtlich, wie mir im Vorfeld der Rallye berichtet wurde, empfand ich sie persönlich dann aber nicht... schön war sie trotzdem. Wir fuhren Bestzeit! 0,2 Sekunden schneller als der Führende Holger Knöbel im Opel, setzten wir uns damit auf dem 2. Platz fest.
Vor dem Regrouping des ersten Service dann eine Schrecksekunde. Beim Rangieren blockierte plötzlich der Rückwärtsgang und konnte nicht mehr in den Leerlauf gebracht werden. Während wir uns rückwärts in die wartende Fahrzeugschlange vor der Zeitkontrolle (ZK) einordnen mussten, versuchte Thomas wie verrückt die Ursache zu finden. Nach fünf hektischen Minuten stellte er fest, dass sich eine Schraube im Getriebegehäuse verkeilte und löste das Problem schliesslich mit dem mitgeführten Bordwerkzeug. Guter Junge...
Während des anschliessenden 20 minütigen Service fing es an zu regnen. Reifenlotterie. Wir setzten auf den weichen Intermediate vorne und härteren Slick hinten und fuhren neubereift in die zweite Schleife, sprich die selben WPs vom Morgen. Obwohl wir deutlich schneller als beim ersten mal waren, konnten wir auf allen drei WPs nur die viertbeste Zeit erzielen. Vorjahresmeister Holger Knöbel vergrösserte seinen Vorsprung nach sechs gefahrenen WPs auf bereits 21 Sekunden. Mit 5 Sekunden Vorsprung auf Björn Mohr konnten wir uns jedoch noch auf dem 2. Platz liegend in den Mittagsservice retten. Mohr selbst war zu diesem Zeitpunkt klar auf Titelkurs.
Mit einsetzendem Sonnenschein wurde unser Diesel-Golf lediglich auf Slicks umgerüstet, die Scheiben geputzt und... ja das war es schon. Klassischer Service bei Toro-Motorsport, weil es überhaupt keine Probleme gab. Nach einem Jahr geht der Golf inzwischen richtig gut und Thomas kommt spürbar immer besser mit ihm zurecht. Auf der Zufahrt zur nächsten WP beriet ich mit ihm die weiterführende Strategie. Er meinte, dass ihm die Nachmittagsprüfungen besser liegen würden und wenn er das Gefühl hat sicher attackieren zu können, dann wolle er dies auch tun. Während wir diskutierten sahen wir am Strassenrand den Opel von Mohr/Becker stehen. Probleme mit der Antriebswelle sollten das Unternehmen Titelgewinn für die beiden von nun an sehr schwierig gestalten, da sie nur noch vorsichtig weiterfahren konnten. Wir schöpften Hoffnung...
Wegen kurzfristiger Bedenken der Anwohner musste die WP "Bekkate" vom Veranstalter in zwei Abschnitte geteilt werden. In der Summe verloren wir weitere 8 Sekunden auf Knöbel, während Mohr auf den 7. Platz abrutschte. Nach diesem Stand hätte der Titel vertagt werden müssen. Neuer dritter war unser Markenkollege Konstantin Keil, der mit zweitbesten Zeiten versuchte seinen Rückstand nach zwei Drehern aufzuholen.
Auf die folgende WP 8 in "Sandfeld" freute sich Thomas ganz besonders. Ein Rundkurs ganz nach seinem Geschmack und von dem er schon beim Recce schwärmte. Wir attackierten und waren uns ziemlich sicher, dass dies zu einer weiteren Bestzeit gereicht haben muss. 5 Sekunden schneller als Keil und sogar 8 schneller als Knöbel. Allerdings gaben wir von diesem Bonus auf der folgenden WP "Testorf" erneut wieder 4,5 Sekunden ab. Bevor es nach einem weiteren Service auf den Zuschauerrundkurs im Hafen von Neustadt ging, betrug unser Rückstand auf Knöbel 25 Sekunden. Björn Mohr hatte inzwischen eine neue Antriebswelle und konnte mit neu gespitzter Waffe wieder aktiv in den Titelkampf eingreifen. Das alles änderte aber nichts daran, dass es sehr hektisch für uns auf dem Rundkurs werden sollte.
Thomas war noch nicht einmal richtig angeschnallt, geschweige denn fertig vorbereitet, da wurden wir schon ohne echte Startzeit auf die Strecke geschickt. Die Fenster mussten dann eben in der ersten von fünf Runden geschlossen werden, die Gurte in der zweiten. Dass man so nicht wirklich konzentriert einen Angriff auf die Spitze wagen kann, ist denke ich selbsterklärend. Zu unserer Überraschung fuhren wir trotzdem eine deutliche Bestzeit und reduzierten unseren Rückstand auf 15,2 Sekunden. Doch selbst die aufzuholen schien uns nicht mehr möglich zu sein. Zwar konnten wir auf dem bereits erwähnten Rundkurs "Sandfeld" mit der 8. Gesamtzeit erneut ein echtes Highlight setzen; ansonsten war der 2. Platz das maximale was an diesem Tag für uns zu erreichen war. Bleibt die Frage der Titelentscheidung.
Durch den Ausfall von Konstantin Keil auf WP 12 rückte Björn Mohr auf den 6. Platz vor und sicherte sich verdient den diesjährigen Meistertitel der HJS-DRM. Herzlichen Glückwunsch Björn und Oliver zu dieser feinen Leistung. Gerne hätten wir die Titelentscheidung auf die 3-Städte-Rallye vertagt, doch dem Ausfall bei der Erzgebirge Rallye zu Beginn des Jahres fuhren wir vergeblich hinterher. Trotzalledem hatten wir aber auch ein bisschen was zu feiern. Wir sicherten uns vorzeitig den Titel in der HJS-Juniorwertung und festigten unseren 2. Platz in der HJS-DRM und dem ADAC Junior Cup.
Bei der nächsten Veranstaltung der Saar-Pfalz Rallye werde ich Thomas leider nicht den Weg weisen können, da ich beruflich verhindert bin. Ich werde jedoch in Gedanken bei meinem Team sein und ihnen feste die Daumen drücken. Hals und Beinbruch.
foto :: Mathias Mahrholz
Lehrauftrag mit Erfolg

... oder wie ich lernte "Aha-Erlebnisse" zu zählen.
Anfang der letzten Woche erhielt ich einen Anruf, ob ich nicht Lust hätte einen 20-jährigen Bayern in die Welt des Rallyesports einzuführen. Markus Hackenberg aus Steinhöring ist noch nie zuvor in seinem Leben mit einem Beifahrer gefahren, hat noch nie eigenverantwortlich einen Aufschrieb erstellt und auch sonst keinerlei Erfahrung im Alltagsprozedere einer Rallyeveranstaltung. Ursprünglich aus dem Kartsport kommend und eine Art Ziehsohn des mehrmaligen Deutschen Meisters und Beifahrers Siggi Schrankl, hatte es jedoch im Vorfeld den Anschein, als ob er ein gewisses Talent für den Rallyesport mitbringen würde. Und so sollte seine erste grosse Veranstaltung die 51. Rallye Wartburg in Eisenach sein. Das Auto; ein angemieteter Suzuki Swift Sport. Der Beifahrer; ich - da Siggi Schrankl verletzungsbedingt ausgefallen ist.
Mein Gefühl sagte mir im Vorfeld, dass dies seit langer Zeit eine etwas andere Rallye für mich werden wird. Zum einen wegen der steten Ungewissheit und des fehlenden Vertrauens sich neben jemanden zu setzen, den man praktisch nicht kennt. Zudem noch bei einer so anspruchsvollen Veranstaltung wie der Rallye Wartburg. Zum anderen weil dem Copiloten im Anlernen eines Neulings viele zusätzliche Aufgaben und Verantwortung übertragen werden, die in einem eingespielten und erfahrenen Team geteilt werden und klar definiert sind. Es war mir von vornherein klar, dass dies diesmal nicht der Fall sein wird. Und so ging es eigentlich nur darum die Anzahl der "Aha-Erlebnisse" so gering wie möglich zu halten. Nach meiner Rechnung gab es davon lediglich 5.
#1: Man konnte schon beim Training der Wertungsprüfungen (WP) erkennen, dass die Fahrzeuge, die vor uns über die Strecken fuhren durch konsequentes "cutten" der Kurven sehr viel Dreck auf die Strasse bringen würden. Wenn man dies nicht in irgendeiner Art und Weise beachtet und im Aufschrieb vermerkt, kann es dort sehr gefährlich werden. Und obwohl ich im Aufschrieb eine Recht 3 in Links 3 Kombination mir einem "rollt" versah, tappten wir in diese Falle, rutschten untersteuernd in die linke Grasnarbe direkt auf einen Strommast zu und mit übersteuerndem Heck in die anschliessende Links - ebenfalls nicht auf der Straße, wie ursprünglich vorgesehen. Markus hat diese Situation aber sehr gut gemeistert, während ich mich kurzzeitig schon mit dem Gedanken anfreundete dem Strommast in der Mittelkonsole "Guten Tag" zu sagen.
#2: Zeitkontrolle (ZK) Serviceausfahrt am Sonntag Morgen. Wir standen am gelben Schild, das die ZK ankündigt. Markus dreht sich kurz nach hinten und in dem Moment dämmerte es uns gleichzeitig: Die Helme! - Die lagen über Nacht im Servicefahrzeug und wurden am Morgenservice schlichtweg vergessen. Nach der ZK rannte ich schnell zurück zum Service, holte die Helme während Markus kurz hinter der ZK auf mich wartete. Das hätte böse ins Auge gehen können. Von der ersparten Peinlichkeit ganz zu schweigen.
#3: Der Suzuki besitzt eine Einschweisszelle, die im Bereich hinter den Sitzen über ein Doppelkreuz verfügt. Die Helme liegen in einem Netz zwischen diesen beiden Kreuzen, an dass man nur über die Heckklappe Zugang erhält. Will man sich seinen Helm nun aufsetzen, muss man zuerst aus dem Fahrzeug aussteigen, die Schnellverschlüsse der Heckklappe öffnen, die Helme heraus nehmen und die bereits erwähnten Schnellverschlüsse wieder schliessen. Ich denke es ist klar was passiert, wenn man den letzten Punkt in diesem Arbeitsablauf vergisst... Es fiel uns erst auf als wir nach dem Ziel der WP unsere Helme wieder verstauen wollten, und eine geöffnete Heckklappe vorfanden, die während der WP ein augenscheinliches Eigenleben führte.
#4: Notausgänge sind da, um sie im Notfall zu benutzen. Auch wenn sie manchmal nicht als solche zu identifizieren sind. Der Zeitverlust beim zu späten Anbremsen einer "Links 3 rollt" waren lediglich 7 Sekunden. Ein Baum oder Graben hätte an dieser Stelle aber nicht nicht sein dürfen.
#5: Wenn man vor der letzten WP mit über 3 Minuten Vorsprung in Führung liegt, dann sagt einem eigentlich der gesunde Rallyeverstand, wir schaukeln das Ding nach Hause und minimieren das Risiko damit das Auto auf keinen Fall Schaden nimmt. Wenn man allerdings einem vorausfahrenden Fahrzeug ins Heck fährt, um ihm zu signalisieren dass man vorbei will und anschliessend noch immer aufgebracht und ungezügelt über einen hohen Bordstein fährt, dann muss derjenige noch viel über den Rallysport lernen.
Aber dafür waren wir ja da. Um Erfahrung zu sammeln. Und die sind, was das fahrerische Potential von Markus betrifft, als durchaus positiv zu bewerten. Seine Zeiten steigerten sich zusehends. So war er zum Beispiel in der Nachtetappe gerade einmal 3-6 Sekunden langsamer als bei Tageslicht, konnte am Sonntag erste klare Bestzeiten setzen und sich im Gesamtklassement stetig nach vorne arbeiten. Am Ende gewannen wir bei unserer Premiere die Klasse N2 und belegten den 27. Gesamtplatz.
foto :: Cornell Hache
Im Regen ohne Chance

Die Geschichte ist kurz erzählt... Der Himmel öffnete seine Schleusen und wir wurden nass. Ohne jede Chance auf den Gesamtsieg beim 5. Lauf der HJS Diesel Rallye Masters in und um Laichingen/Baden-Württemberg erreichten Thomas und ich den 4. Platz, verteidigten damit unseren 2. Platz in der Gesamtwertung und sind weiterhin beste HJS-Junioren.
Zu verhalten und vorsichtig gingen wir am Vormittag auf die ersten 4 Wertungsprüfungen (WP) und konnten bei Niederschlagsmengen von bis zu 40 Liter pro Quadratmeter das Tempo der Spitze nicht mitgehen. Auf der anderen Seite gingen wir, zur Freude unserer arg gebeutelten Kriegskasse, unter diesen schwierigen Bedingungen auch kein unnötiges Risiko ein und machten nichts am Diesel-Golf kaputt. Da alle anderen, die deutlich schneller als wir fuhren, aber auch keine Fehler machten, sollte uns dies für die Zukunft zu denken geben!
In Führung lagen zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaftsführende Björn Mohr, vor Vorjahresmeister Holger Knöbel (beide Opel) und Konstantin Keil im VW Golf. Wir lagen auf dem 5. Platz hinter unserem Hauptkonkurrenten um den Titel Bester HJS-Junior Johannes Fürst, den ich mit seinem Allrad-Subaru unter diesen widrigen Bedingungen eigentlich als unschlagbar eingestuft hätte. Zum Mittag deuteten sich jedoch Elektronikprobleme am Subaru an, die schliesslich in der Aufgabe endeten. Damit war der Weg für uns zu einem glücklichen aber auch undankbaren 4. Platz frei - von hinten drohte zu diesem Zeitpunkt bereits keinerlei Gefahr mehr.
Am Nachmittag lief es für uns bei weniger Regen beziehungsweise abtrocknenden Bedingungen etwas besser und wir konnten uns auf 4 WPs unter den Top 3 Dieselfahrzeugen platzieren. Schliesslich half aber auch dies nichts mehr, um noch etwas nach vorne ausrichten zu können.
Für mich bleibt als selbstkritisches Fazit:
Wir können mit unserer gezeigten Leistung nicht zufrieden sein. Ich sehe dies jedoch als Chance und durchaus auch als gutes Zeichen wieder einmal zu wissen, in welchen Bereichen wir uns noch verbessern müssen, um den hohen Anspruch den wir an uns haben in allen Belangen gerecht zu werden.
foto :: Mathias Mahrholz
Kühle Köpfe

Heiss war es gewesen... nicht nur bei Aussentemperaturen von über 35°C, sondern auch um den Gesamtsieg beim 4. Lauf zur HJS Diesel Rallye Masters der Rallye Niedersachsen im beschaulichen Osterode am Fusse des Harzes. Die erste Rallye in diesem Jahr mit konstanten Wetter, bewahrte für alle Teilnehmer gleiche und faire Bedingungen. Mochte also der Schnellste von ihnen gewinnen.
Wir kannten zwei von fünf verschiedenen Wertungsprüfungen (WP) noch aus dem Jahr 2007 und nutzten das Training am Freitag Nachmittag, um unseren Aufschrieb an Thomas fahrerische Entwicklung anzupassen. Viele Kurven schreibt er inzwischen schneller und auch unser System hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Interessanterweise fällt das einem aber erst dann auf, wenn man den Vergleich mit der Gegenwart hat. Zudem glichen zwei für uns neue WPs ein wenig dem Charakter, wie man ihn bei Thomas' geliebter Wartburg Rallye vorfindet. In der Summe waren wir alle bei Toro-Motorsport eigentlich sehr optimistisch gestimmt. Aber ohne Kampf geht es in der HJS-DRM schliesslich nie aus, dass wissen wir inzwischen alle sehr genau.
Samstag morgen am Start der WP 1. Ich erinnerte Thomas an seine feinen Leistungen auf diversen WPs, die er in diesem Jahr schon zeigte. Und dann ging es auch schon los. Wir fuhren die vierte Zeit, verloren aber fast 10 Sekunden auf unseren Markenkollegen Konstantin Keil, der mit einer klaren Bestzeit seine Ambitionen mehr als deutlich machte. Auf WP 2 verloren wir etwas Zeit beim Anbremsen zweier Schikanen, fuhren auf den kurzen Schotterabschnitten zu verhalten und erzielten somit lediglich die achte Zeit. Allerdings immer noch in Reichweite der Spitze. Die bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem bereits erwähnten Keil und dem derzeit Führenden im Diesel-Masters Björn Mohr. Wir mussten also weiter reinhalten, um unsere Chance zu wahren und den Kontakt zur Spitze nicht zu verlieren. Auf WP 3 konnten wir mit der zweitbesten Zeit ein wenig vom Vorsprung Keils abknabbern. Mit 15 Sekunden Rückstand kamen wir auf dem 4. Platz in den ersten Service, wo wir keinerlei Probleme am Fahrzeug melden konnten. Nur kühlen Diesel für den Golf... und Wasser für uns.
Nach dem Service ging es auf die WP Lerbach. Einem nur 1,9 km langem Sprint bei dem vom Start bis zum Ziel 400 Höhenmeter bewältigt werden mussten. Im Ziel trennten die ersten drei auf der WP lediglich 0,4 Sekunden und wir als zweite wieder vorne mit dabei. Nach technischen Problemen an Keils Golf, kam der bis dato Führende zu spät an eine Zeitkontrolle und musste 80 Strafsekunden hinnehmen. Beim anschliessenden 20 km langen Rundkurs verabschiedete sich Vorfahresmeister Holger Knöbel aus dem Kampf um den Sieg, nachdem Copilot Harald Brock ihn eine Runde zuviel fahren liess. Damit wurde es ein Zweikampf zwischen dem Team Mohr/Becker im Opel und uns. Beim zweiten Service trennte uns lediglich 5,9 Sekunden. Volle Attacke am Nachmittag, gab ich als Devise aus und trotzte damit allen Beschwichtigungen von Teamchef Heinz-Uwe Robel, die Position zu halten. Wenn sich einem die Erfolgstür öffnet, man bewusst seine Möglichkeiten abschätzt, dann muss man seine Chance nutzen und kämpfen. Das sah ich schon immer so.
Gesagt - getan. Wir fuhren Bestzeit auf WP 6, die zweite Zeit auf WP 7 und die dritte Zeit auf WP 8 und übernahmen vor dem letzten Service mit 1,9 Sekunden Vorsprung die Führung von Mohr/Becker, die plötzlich Leistungsprobleme bemängelten. Es schien uns also alles in die Hände zu spielen, wo noch drei WPs zu fahren waren.
Das zweite Bergrennen bei Lerbach krönten wir mit unserer zweiten Bestzeit und bauten unseren Vorsprung auf 7,1 Sekunden aus. Das müssen wir eigentlich jetzt nur noch verwalten, dachte ich, da der Leistungsverlust an Mohrs Opel echter Natur zu sein schien. Zwei WPs noch zu fahren. Doch Björn Mohr schien noch einmal zurückschlagen zu wollen, nahm uns auf WP 10 4 Zehntel ab und reduzierte seinen Rückstand auf 6,7 Sekunden. Volle Konzentration auf die letzte WP. Wir brannten eine weitere Diesel-Bestzeit und 8. Gesamtzeit in den Asphalt, behielten einen kühlen Kopf, und holten unseren ersten Sieg in der HJS-DRM seit dem Beginn unseres VW Diesel-Projektes vor einem dreiviertel Jahr.
In der HJS-DRM konnten wir mit dem Sieg unseren 2. Platz festigen und schauen frohen Mutes auf die nächste Veranstaltung, der Rallye Baden-Württemberg.
An dieser Stelle möchte ich allen danken, die uns auf unserem bisherigen Weg zu diesem Erfolg unterstützten und, trotz aller Skepsis von aussen, immer an uns glaubten. Wir beweisen stets aufs Neue, wie man mit bescheidenen Mitteln, kontrolliertem Gasfuss, und gutem Teamwork, die etablierte Rallyewelt ins Wanken bringen kann und werden uns weiterhin darum Bemühen an dieser Philosophie festzuhalten.
foto :: Mathias Mahrholz
Pflicht ohne Kür

Durch unsere Erfolge im HJS Diesel Rallye Masters sammelten wir parallel fleissig Punkte für zwei weitere Meisterschaften, dem ADAC Rallye Masters und dem ADAC Rallye Junior Cup. Spontan entschieden wir uns daher für eine Teilnahme ausserhalb der HJS-DRM, der Rallye Stemweder Berg, um für die letztgenannten zwei Meisterschaften erneut wichtige Punkte einzufahren. Als einzige Teilnehmer in unserer Division war die Ausgangslage klar. Es gab maximal 10 Punkte zu gewinnen. Dafür mussten wir lediglich das Ziel erreichen - soviel zum Thema Pflicht. Damit wollten wir es jedoch nicht belassen. Es bestand nämlich durchaus die Möglichkeit mit einer guten Leistung auch in der Gesamtwertung unter die Top 10 zu kommen und damit zusätzliche Punkte zu holen.
Während des gesamten Wochenendes fühlte ich mich ein bisschen in die Anfangszeit bei Toro-Motorsport zurückversetzt. Mit dem Robel Gespann und mir bestand die anwesende Fraktion lediglich aus drei Teammitgliedern und bedeutete im Detail: Nachtanreise im Servicefahrzeug, kaum Schlaf, wenig Essen und eigene Servicearbeiten am Diesel-Golf. So auch am morgen, als es darum ging, mit welchen Reifen wir fahren sollten. Dunkle Regenwolken und warmer Sonnenschein begleiteten einen konstanten Wind und machten die Entscheidung sehr schwierig. Letztendlich lagen wir mit unserer Wahl immer daneben. Wenn es regnete, wechselten wir im Service auf den Intermediate Reifen, um am Start der nächsten WP staubtrockene Strassenbedingungen vorzufinden - scheinte die Sonne, wählten wir den Trockenreifen, damit Petrus schliesslich extra für uns seine Schleusen öffnen konnte. Trotzdem fuhren wir konstant Zeiten in den Top 15. Mit dem Verlust des Rückwärtsganges endeten jedoch unsere Ambitionen weiter zu attakieren. Das Risiko war einfach zu gross sich bei einem der vielen Abzweigen zu verbremsen, nicht mehr zurücksetzen zu können und damit unsere sicheren Punkte aufs Spiel zu setzen. Mit dieser Vorgabe spulten wir unser Nachmittagsprogramm ab und starteten nach dem letzten Service zum abschliessenden Zuschauerrundkurs - Thomas' Spezialität. Nach der ersten Runde hatten wir den 10 Sekunden vor uns gestarteten Teilnehmer bereits eingeholt, als es komische Geräusche aus der Getriebeeinheit gab. Thomas konnte keinen Gang mehr einlegen. Das war es dann wohl, dachte ich. Nachdem wir langsam Richtung Rundkursausfahrt rollten, fand Thomas doch noch einen funktionierenden Gang, den dritten. Ich wies ihn sofort an, die Ausfahrt zu nehmen und dafür die Maximalzeit einzustreichen. Mit einem maroden Golf erreichten wir schließlich das Ziel, stellten den Golf im Parc Ferme ab und nahmen die angepeilten 10 Punkte mit nach Hause. Als Fazit bleibt für mich, dass es durch die Probleme am Ende doch noch recht aufregend gewesen ist, ich solche Szenarien aber nicht noch einmal erleben möchte. Auszuschliessen ist es aber nicht - that's rally.
Glücklicherweise kam der Getriebeschaden bei dieser Rallye und nicht erst in zwei Wochen beim nächsten HJS-DRM Lauf in Niedersachsen. Das hätte uns mit Sicherheit mehr weh getan. Die Mechaniker von Toro-Motorsport haben das Getriebe schon längst ausgebaut und den Komplettverlust vom 4. und 5. Gang diagnostiziert. Drücken sie uns die Daumen, damit der Golf rechtzeitig wieder fährt.
foto :: Sandra Köster
Schadensbegrenzung

Eine weite Anreise hatten wir am Wochenende von Berlin, beziehungsweise Laubusch, nach Saarwellingen. Die Litermont Rallye ist eine von drei großen Rallyes im Saarland und bekannt für ihre Kompaktheit, schnellen Wertungsprüfungen (WP) und einer traditionell hohen Ausfallquote. Da es für Thomas und mich die erste gemeinsame Rallye in dieser Region war, wollten wir unbedingt ins Ziel kommen, nicht allzu viel riskieren und abwarten, wo wir am Ende stehen, auch schon in Hinblick auf die HJS-DRM. Eine unerwartet schwierige Mission sollte es werden.
Kurz nach dem Start auf dem Rathausplatz ging es für uns bei hochsommerlichen Temperaturen auf die erste WP, den Schotterrundkurs "Blechenhänsch". Nachdem wir zwei Runden problemlos absolvierten, startete der Skoda von Daniel Schmidt direkt vor uns in die WP. An ein Vorbeikommen vor dem beginnenden Schotterstück war nicht zu denken. Was folgte war ein Blindflug im aufgewirbelten Staub des Skodas bis zur Ausfahrt aus dem Rundkurs. Dem Daniel Schmidt konnten wir für den Zeitverlust keinen Vorwurf machen. Der Unfähigkeit des WP-Starters aber sehr wohl, da wir nicht die einzigen waren, die durch ein solches Malheur viel Zeit verloren.
Nach der übervorsichtigen elfbesten Zeit unter den Dieseln auf der WP 2, würgten wir am Start der längsten WP "Hoxberg" den Motor ab. Nach einer gefühlten Ewigkeit brachte Thomas den Motor zwar wieder zum Laufen, aber eine gute Zeit kann man so natürlich nicht erzielen. Verständlich, dass meine Stimmung beim ersten Service auf dem Nullpunkt war. Die Spitze war schon 41 Sekunden weg. Wir lagen auf dem 8. Platz und waren schlechteste Junioren. Das einzige positive war, dass unsere defensive Strategie durch selbstverschuldete Fehler und Pech perfekt umgesetzt wurde...
Daher blieb uns nichts anderes übrig, als mit mehr Aggressivität in die zweite Schleife und dem bereits erwähnten Schotterrundkurs "Blechenhänsch" zu gehen. Mein Hinweis an den Starter, die Teilnehmer diesmal mit etwas mehr "Weitsicht" in die WP starten zu lassen, wurde erhört. Wir fuhren die drittbeste Zeit und konnten unseren Rückstand etwas in Grenzen halten. Nach WP 7 waren wir zwar immer noch auf dem 8. Platz, allerdings lagen zwischen Josef Wecker im Opel auf Platz 4 und uns nur noch 13 Sekunden. Unglücklicherweise wurde die folgende WP vom schweren Unfall des Teams Moufang/de Fries im 1er BMW überschattet. Die junge Beifahrerin Sophie de Fries musste mit Wirbelsäulenproblemen daraufhin leider ins Krankenhaus transportiert werden.
Begünstigt durch den Ausfall von Josef Wecker und einem verbogenen Querlenker am Opel von Vorjahresmeister Holger Knöbel konnten wir uns bis zum zweiten Service auf den 6. Platz verbessern. Mit unserer Leistung waren wir aber noch immer nicht zufrieden. Durch einem Verbremser hier und kleineren Getriebeproblemen da, gestaltete sich unsere Aufholjagd als äußerst schwierig. Und so mussten wir eine weitere Schippe nachlegen. Zum dritten mal stand der Schotterrundkurs "Blechenhänsch" an und erneut wurde uns ein Strich durch die Rechnung gemacht. Nach einem Fahrfehler tauchte urplötzlich der Skoda von Dominik Fischer vor uns auf. 13 Sekunden verloren wir bei der langsamen Fahrt im stehenden Staub auf unsere VW Markenkollegen und direkten Konkurrenten Konstantin Keil auf Platz 3, vier weitere auf der folgenden WP. Ein Platz auf dem Podium, schien damit ausser Reichweite, aber auf den 4. Platz wollten wir noch. Unser Rückstand betrug 14 Sekunden und zwei WP's waren noch zu fahren. "Maximum Attack" gab ich als Devise aus. Und tatsächlich: mit zwei zweitbesten Zeiten waren wir zuerst 2 und kurz darauf 14! Sekunden schneller als Dominik Fischer und konnten damit schließlich den 4. Platz doch noch erkämpfen. Wie eng es zwischen Platz 4 und 6 wirklich war, zeigt ein Zeitunterschied nach 14 WP's von lediglich 2,4 Sekunden, den wir zu unseren Gunsten gewinnen konnten.
In der HJS-DRM liegen wir nun nach 3 von 7 Veranstaltungen punktgleich mit Johannes Fürst auf dem 2. Platz und teilen uns die Spitzenposition in der internen Juniorwertung.
foto :: rallyeholic
Ausrufezeichen gesetzt

Ausgeschlafen und bestens vorbereitet starteten wir am letzten Wochenende bei der 23. Rallye Sulinger Land zum 2. Lauf der HJS-DRM - müde und glücklich fuhren wir wieder nach Hause. Doch der Reihe nach.
Der Charakter der diesjährigen Rallye Sulingen lässt sich auf folgende Eckpunkte zusammenfassen: perfekte Organisation, volles Starterfeld und 13 anspruchsvolle Wertungsprüfungen (WP). Vier am Vormittag, zwei davon auf dem berühmt berüchtigten IVG Gelände, und zwei lange Kanten am Nachmittag mit harten Schotterabschnitten und endlosen Abzweigen; allesamt zweimal zu absolvieren. Den Abschluss bildete ein Rundkurs direkt in der Stadt Sulingen.
Da es am Vortag regnete, erwiesen sich, trotz strahlenden Sonnenscheins, die weicheren Intermediate Reifen von Hankook als die eindeutig bessere Wahl unter den zwei Reifentypen, speziell für die "Schiedsrichter WPs" in den Wäldern des rutschigen IVG Geländes. Mit zwei Bestzeiten und trotz eines Verbremsers setzten wir uns in der ersten Runde hinter Daniel Schmidt und Björn Mohr auf dem 3. Platz fest. Zurück im Service konnten wir lediglich von unserem ersten Karosserieschaden seit 4 Jahren (!) berichten. In einem ausgefahrenen "Cut" löste sich ein Teil der Heckverkleidung. Ansonsten lief der Golf während der gesamten Rallye wie ein Uhrwerk.
Mit den selben Reifen ging es in die zweite Vormittagsrunde. Mit Kopf und Platz für Reserven hielten wir Platz 3. Björn Mohr konnte sich inzwischen an der Spitze behaupten, während sich zwischen Daniel Schmidt und uns ein Kampf um Platz 2 anbahnte. 8 Sekunden Rückstand auf Schmidt reichten aus, um Thomas' Kampfgeist zu wecken. Mit Slicks fuhren wir auf der 20 km langen WP "Dillenberg" 10 Sekunden schneller, zwei WP's später bei einsetzendem Regen und stehendem Wasser mit kontrollierter Offensive weitere 4 beziehungsweise 6 Sekunden. Björn Mohr war an diesem Tag nicht zu halten und uns mit der besseren Reifenwahl bereits enteilt. Nachdem die WP 11 wegen eines Unfalls ohne Personenschaden neutralisiert wurde, konnten wir das Wochenende mit einer klaren Bestzeit auf dem Rundkurs Sulingen abrunden und einen 2. Platz unter den Dieselfahrzeugen feiern.
In der HJS-DRM liegen wir nach zwei Veranstaltungen auf dem 3. Platz und schauen optimistisch auf die kommenden Veranstaltungen, nicht zuletzt weil Thomas während der letzten zwei Rallyes seine Potential unter den verschiedensten Bedingungen unter Beweis stellen konnte.
foto :: Mathias Mahrholz
Anfang vom Ende vom Anfang

Als ich das letzte Mal in einem Kart saß, fuhr ich bei einem Slalom Clubrennen auf dem Platz des früheren Avus-Fahrerlagers in Berlin. Damals noch mit einem dicken Polsterkissen im Rücken und dem alten Integralhelm meines Vaters, der wohl alle Wertungsprüfungen der DDR-Meisterschaft gesehen hat, mir viel zu gross war und sogar noch mit den Telefonelementen der selbstgebauten Gegensprechanlage ausgerüstet war, natürlich ohne Visier, war ja ein Rallyehelm.
Meine damalige Konkurrenz hatte durchweg schon Erfahrung und teilweise sogar eigene Karts gehabt. Meine ersten Erlebnisse mit Gas und Bremse machte ich auf einer Simson S50 in den Wäldern bei Bernau, übrigends mit dem selben Helm. Im Kartsport war ich aber absoluter Rookie und wurde während der ersten beiden Durchgänge auch glatt wegen Auslassens diverser Pylonentore disqualifiziert. Beim dritten Durchgang hat aber schließlich alles gepasst. Gut genug für einen 3. Platz, einen kleinen Pokal und einen stolzen Vater. Und das war es dann erst einmal... Fortan konzentrierte ich mich auf die Leichtathletik und den Langstreckenlauf, nicht weniger erfolgreich aber bedeutend strapaziöser und vor allem preiswerter.
Genau 20 Jahre später sass ich an diesem Wochenende wieder einmal in einem Kart. Als Erinnerung an diesen Tag bleiben eine Pole Position, die schnellste Rennrunde, ein Start-Ziel Sieg, eine kleine Selbstreflektion in die Vergangenheit und die kurze Frage: "Was wäre wenn?"
Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen Freunden bedanken, die dieses Rennerlebnis möglich machten. Es war ein wirklich tolles Geburtstagsgeschenk. Mein Dank gilt außerdem dem Kartland in Reinickendorf für die perfekte Organisation.
foto :: Kartland
Klassiker im Erzgebirge

Eine klare Zielsetzung hatten wir zur 47. Erzgebirgsrallye, dem ersten Lauf der HJS Diesel Rallye Masters. Ein Platz unter den ersten fünf bei den Dieseln sollte her und um den Sieg bei den Junioren wollten wir mitkämpfen. Ein Seuchenjahr wie 2009 möchten wir nicht noch einmal erleben und so gingen wir mit dieser Zielsetzung hochmotiviert in Stollberg an den Start. Schon beim Recce fiel mir auf wie fokussiert Thomas den Aufschrieb erstellte und wie er meine Ratschläge mit offenen Ohren einarbeitete. Ich hatte die Vorahnung, dass er sich auf diese Veranstaltung sehr gut vorbereitet hat, um unbedingt vorne mitzumischen.
Die HJS-DRM hat mit Hankook für die nächsten drei Jahre einen neuen Reifenausrüster. Unsere Erfahrungen mit diesem Reifen lagen bei Null. Im Servicepark brach kurz vor dem Start bei allen Teams hektisches Treiben aus. Das Wetter war sehr instabil und die richtige Reifenwahl ein Lotteriespiel. Wir entschieden uns als eines von zwei Teams für den härteren Trockenreifen. Am Start von WP 1 fing es pünktlich leicht zu regnen an. Wir fuhren trotzdem überraschend hinter Johannes Fürst und Vorjahresmeister Holger Knöbel die drittbeste Zeit, wussten aber um unsere völlig falschen Reifen für den Klassiker der Erzgebirgsrallye, dem Rundkurs in Grünhain. Auf der Strasse stand das Wasser, Schnee von oben tat sein Übriges dazu. "Hier werden uns alle richtig eine einschenken", dachte ich kurz vor dem Start. Unglücklicherweise kamen wir nur eine halbe Runde weit. Der Subaru von Roland Bracht, ebenfalls mit Trockenreifen ausgerüstet, drehte sich bei hoher Geschwindigkeit in eine Böschung und kam auf der anderen Strassenseite an einem Baum zum Stehen. Als erste am Unfallort, befahl ich Thomas sofort anzuhalten, da es keine Reaktionen der beiden Piloten im Auto gab. Wir hielten an, stiegen aus und baten die folgenden HJS-Teilnehmer es uns gleich zu tun. Beide Subaru Fahrer konnten sich schliesslich eigenhändig aus dem Fahrzeugwrack befreien und ging es bis auf ein paar Prellungen gut. Alle HJS-Teilnehmer entschieden sich geschlossen die WP zu verlassen und nicht zu Ende zu fahren. Dies unterstreicht den beispielhaften Zusammenhalt in der HJS-DRM.
Der erste Tag endete mit den richtigen Reifen ausgerüstet und der verhaltenen siebtbesten Zeit auf WP 3. Übernachten konnten wir aber in der Summe trotzdem auf einem hervorragenden 3. Platz, als zweitbeste Junioren.
Die Prämisse für Tag 2 der Erzgebirgsrallye lag in der Verwaltung der bestehenden Platzierung. Wir fuhren kontrolliert erneut die 3. Zeit auf der längsten WP des Wochenendes, dem 17 km langen Rundkurs in Jahnsdorf. Es folgte unser Highlight des Wochenendes: die erste WP-Bestzeit innerhalb der HJS Diesel Wertung seit unserem Engagement 2009. Beim anschliessendem Service wurden wir vom gesamten Team zur Ruhe gemahnt. Meiner Meinung nach ungerechtfertigt, da es dafür keinen Grund gab und die herausgefahrene Bestzeit für uns selbst überraschend kam. Sie wurde absolut sicher und ohne grosses Risiko umgesetzt. Wir verbesserten unseren Aufschrieb sogar noch während der WP. Trotzdem ein schönes Gefühl und die Gewissheit, dass mit uns in diesem Jahr zu rechnen ist.
Auf der zum zweiten Mal zu fahrenen WP Jahnsdorf kam dann unser unspektakuläres Aus. Nach einer tief ausgefahrenen Furche auf einem Schotterstück gab es einen heftigen Schlag im Auto und Thomas beklagte fortan keine Leistung mehr. Nach zweimaligen Anhalten konnten wir die Quelle nicht finden und vermuteten ein altes technisches Problem mit dem Dieselpartikelfilter.
Die heutige Untersuchung des VW Golfes ergab jedoch, dass durch den erwähnten Schlag die Halterung am Ladeluftkühlers abriss und es somit kein Ladedruck mehr gab. Ein lösbare Aufgabe für die Jungs von Toro-Motorsport bis zur Rallye Sulingen in drei Wochen...
foto :: rallyepixel
Rollin Rollout

Der Winter anno 2010 ist nicht nur hart, sondern wie mir so langsam auch scheint unglaublich lang. Und mit dieser Meinung stehe ich vermutlich nicht alleine da. In Berlins U-Bahn Linie 5 kann man dies in jedem der bemützten und beschalten Gesichter erkennen. Die Blicke sehnsüchtig erhoben zum Informationsmonitor der die nächsten drei Tage Bewölkung und Temperaturen von mollig warmen -2°C prophezeit... Na bitte geht doch. Temperaturtechnisch macht mir der Winter überhaupt nichts aus. Reine Kopfsache..., die Kälte meine ich. Ich ignoriere sie mit Vehemenz und guter Musik im Ohr, wenn ich in meiner geliebten Heimatstadt unterwegs bin.
Etwas anderes bringt jedoch meine innere "keep it cool" Attitüde so langsam zum schmelzen. Seit 5 Jahren ist dies die längste Winterpause die ich als Beifahrer im Rallyesport erlebt habe. Gedanklich befinde ich mich praktisch schon seit Wochen im Frühblüherstadium. Die Vorfreude auf die kommende Saison ist dementsprechend gross und endet mit unserem traditionellen Rollout am 20. März auf dem Teltow-Fläming Ring. Ich werde das erste Mal meinen neuen alten Arbeitsplatz inspizieren und bin gespannt, inwieweit sich der komplett revidierte Diesel-Golf verbessert hat. Leider liess es die Vollendung meiner Doktorarbeit über den Winter nicht zu, mich bei meinem Team Toro-Motorsport aktiv einzubringen. In wöchentlichen Telefonkonferenzen mit der Teambasis hielt man mich jedoch über die Fortschritte an unserem Einsatzfahrzeug auf dem Laufenden. Die Zusammenarbeit mit unseren langjährigen Partnern setzen wir fort und konnten sogar die bestehenden Kooperationen ausweiten. Technische Unterstützung erhalten wir in diesem Jahr vom freundlichen Autohaus Elitzsch. Hoffen wir alle zusammen auf eine erfolgreiche Saison, dann sollte der Winter auch endlich "au revoir" sagen.
foto :: Mathias Mahrholz
Pakt mit der Sicherheit

Nachdem wir nun die Diesel-Technik des Golfes langsam in den Griff bekommen, gilt es an diesem Wochenende mein "zweites Büro" entsprechend den anstehenden Herausforderungen in der HJS Diesel Rallye Masters und der DRS zu verändern. Den Mehraufwand der seit diesem Jahr geltenden neuen Sicherheitsvorschriften im Käfigdesign nimmt das Team von Toro-Motorsport für eine Verbesserung der Sicherheit sehr ernst und daher gerne in Kauf. Obwohl der Käfig unseres Einsatzfahrzeuges bereits den höchsten DMSB-Sicherheitsvorschriften entsprach, haben wir ihn nun dem Reglement 2010 angepasst. Dazu mussten so genannte Knotenbleche in den Hauptkreuzen des Käfigs verschweisst werden. Die Mechaniker von Toro-Motorsport konnten dafür auf die Fähigkeiten von Fahrer Thomas Robel vertrauen. Von Hauptberuf Konstruktionsmechaniker gehört für ihn der Umgang mit diversen Schweisstechniken zu seinem täglichen Brot und garantiert die professionelle Umsetzung des neuen Sicherheitspaketes. Ein weiterer Beleg der wirtschaftlichen Effizienz bei Toro-Motorsport, denn auch die anschliessenden Lackierarbeiten können hausintern durchgeführt werden.
Die Sicherheit im Rallyesport steht bei uns an erster Stelle. Einsatzfahrzeug und Fahrerausrüstung sind immer auf dem neuesten Stand der Technik. Alle Teammitglieder verstehen daher dieses Prinzip als Prämisse und tun ihr möglichst Bestes, um nach einem Rennwochenende voller Stress und Adrenalin wohlbehalten in den Armen ihrer Lieben zurückzukehren.
foto :: Toro-Motorsport
Revision im Winterschlaf

Die minimalen Folgeschäden durch zwei gelöste Schrauben der Motoraufhängung sind behoben und unser letzter Einsatz bei meiner Heimveranstaltung der Havellandrallye lange her. Getrost konnten wir unseren Diesel-Golf in seinen wohlverdienten Winterschlaf schicken. Kaum in den tiefsten Träumen entschwunden nutzten die Mechaniker von Toro-Motorsport die letzen Wochen und Monate die Schwachstellen des Golfes zu lokalisieren und Verschleissteile komplett zu revidieren. In Kooperation mit Bassfeld-Tuning in Mühlheim an der Ruhr vertrauen wir dabei auf ausgewählte Spezialkräfte, die auf langjährige Erfahrung im Motorsportbereich zurückblicken können. Versöhnlicher Nebeneffekt: Wir konnten dadurch den Golf wieder in die Hände seines Erbauers, Berthold Bassfeld, geben. Familientreffen der etwas anderen Art... Weiteres Hauptaugenmerk über den Winter liegt auf der Gewichtsreduzierung und -verteilung des frontlastigen Golfes. Außerdem arbeiten wir intensiv an der Leistungsoptimierung und dem Beseitigen der überbremsenden Hinterachse. Ein Problem, dass sich bisher nur mit einer geölten Bremsscheibe dulden liess. Kreativität kennt bekanntlich keine Grenzen...
foto :: Mathias Mahrholz