Welle ohne Antrieb

Eigentlich wollten wir den vierten Lauf zur Deutschen Rallye Serie (DRS), die AvD Niederbayern Rallye, rund um die Gemeinden Ausserzell und Schöllnach auslassen, da es am Rallyewochenende mehrere Geburtstage in Veits Familie zu feiern gab. Doch unsere gute Ausgangsposition in der Zwischenwertung in der DRS veranlasste uns dazu, den weiten Weg nach Niederbayern zu wagen - auch um dem Meisterschaftsführenden Robert Stöber im starken VW Lupo das Feld nicht ganz kampflos zu überlassen. Große Siegchancen rechneten wir uns bei den schnellen Wertungsprüfungen (WP), die den leistungsstärkeren Fahrzeugen aus Wolfsburg besser liegen sollten, im Vorfeld jedoch nicht aus.

Nachdem das Quecksilber während der Besichtigung am Freitag bis auf tropische 36 °C stieg, sorgten ein bedeckter Himmel, Nieselregen und Temperatursturz auf 13 °C für herbstliche Stimmung am Rallyetag und machte die Reifenwahl auf den ersten Blick einfach. Mit weichen Intermediates wählten wir die sichere Variante. Die WPs waren jedoch weitestgehend trocken, so dass im Nachhinein die Trockenbereifung die eigentlich bessere Wahl gewesen wäre. Es ging aber auch so ganz ordentlich.

Auf den ersten drei Wertungsprüfungen konnten wir mit zweitbesten WP-Zeiten den Kontakt zur Spitze halten. Die bildete ein richtig gut aufgelegter Dominik Dinkel im VW Polo. Völlig befreit legte er von Anfang an Zeiten vor, an denen wir uns die Zähne ausbissen. Robert Stöber im VW Lupo schien dem zwar gut gegenhalten zu können aber mit dem ständigen Blick auf den Meisterschaftsstand auch etwas nervös zu sein. Wir dagegen fuhren unseren Stiefel weiter und bemühten uns, dass wir so wenig Zeit wie möglich auf die Beiden verloren. Auch in Hinblick auf den Nachmittag an dem sich Regen ankündigen sollte. Da wollten wir zuschlagen.

Im ersten Service hatten wir einen Rückstand von 12 beziehungsweise 10 Sekunden auf die zwei bayerischen Teams und wechselten auf Trockenreifen, wie viele andere Teilnehmer im Übrigen auch. Danach ging es, begleitet von einem immer stärker werdenden Nieselregen, in die zweite Runde.

Auf der 16 km langen WP „Ranfels-Burgsdorf II“ verloren wir mit 9 Sekunden erneut recht viel Zeit auf Stöber. Veit meinte jedoch, er könne nicht mehr machen, als die ganze Zeit auf dem Gas zu stehen. Mehr gab die „Susi“ nicht her. Ohne unser Wissen schien derweil Dominik Dinkel Probleme bekommen haben. Fast eine Minute nahmen wir ihm auf der WP ab und waren auf einem komfortablen zweiten Platz. 19 Sekunden hinter Stöber.

Während der Verbindungsetappe zur WP „Schlag II“ regnete es immer mehr und wir überlegten die Trockenreifen auf der Vorderachse gegen unsere mitgeführten Intermediates auszutauschen. Die sehr kompakte Rallye ließ jedoch ein schnelles Wechseln der Reifen zwischen den WPs nicht zu, so dass wir nun in den sauren Apfel beißen mussten. Zu unserem Glück Stöber/Wölfel aber auch. 3 Sekunden nahmen wir den Beiden ab und irgendwie schien sich das Blatt mit dieser Bestzeit wieder einmal zu unseren Gunsten zu wenden. Dominik Dinkel war inzwischen ausgeschieden und bevor es für uns zum zweiten mal auf den Rundkurs „Steinach“ ging, fing es wie aus Eimern an zu schütten.

Obwohl sehr viel Wasser inzwischen auf der Strasse stand, hatte ich in den ersten zwei Runden ein richtig gutes Gefühl. Veit hatte alles unter Kontrolle und fuhr unter den schwierigen Bedingungen voll auf Angriff. Doch in der Ausfahrt hörten wir auf einmal ein unangenehmes Klackern und verspürten immer stärkere Vibrationen. Veit vermutete zuerst einen Reifenschaden vorne links. Es sollte leider schlimmer kommen. Eine abgescherrte Antriebswelle bereitete unserer hoffnungsvollen Aufholjagd ein jähes Ende. Wir mussten aufgeben.

Es war Veits erster Antriebswellenschaden in seinem Leben und der erste technische Ausfall seit 2004. Leider diesmal zum ungünstigsten Zeitpunkt. Völlig unbedrängt konnte Robert Stöber die vollen Divisionpunkte nach Hause fahren und die Tabellenführung behaupten. Mit unserem Ausfall fielen wir auf den 7. Platz in der DRS zurück. Bei noch zwei ausstehenden Rallyes wird es nun sehr schwierig, um in der Meisterschaft noch ein Wörtchen mitzureden. Aber unmöglich ist es nicht...


Nachtrag:
Wie sich bei der Nachuntersuchung der „Susi“ rausgestellt hat, war es keine abgescherrte Antriebswelle gewesen, die unseren Ausfall verursacht hat, sondern ein Getriebeschaden.