Hessische Schlammpackung

Nach den zahlreichen winterlichen Veranstaltungen, hoffte die gesamte deutsche Rallyeszene am letzten Wochenende endlich auf "normale" Bedingungen zur Rallye Vogelsberg in Hessen. Die gab es aber auch hier nicht. Immer wieder sorgten heftige Regenschauer und der komplett aufgeweichte Boden für teilweise irreguläre Bedingungen. Für Michael war es damit die dritte Veranstaltung unter schwierigsten Bedingungen und erneut konnte er auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen. Alle im Team von HWR-Motorsport waren ein bisschen nervös und gespannt, wie er sich denn aus der Affäre ziehen würde. Auch ich…

Gleich die erste superschnelle und enge Wertungsprüfung (WP) Fuldatal hatte es in sich. Die ausgefahrenen "cuts" machten jede Kurve zu einer schmierigen und schlammigen Angelegenheit. Wir korrigierten unseren Aufschrieb entsprechend und konnten mit der vierten Zeit einen recht guten Start hinlegen. Beim anschließenden Klassiker, dem Rundkurs in Willofs, wollte Michael allerdings angreifen. Und das machte er auch ganz ordentlich. Leider liefen wir in der zweiten Runde auf Tina Wiegand auf und verloren ein paar Sekunden. Dritte Zeit und Michael war begeistert wie der aufgeschnittene Intermediate Reifen von Pirelli unter den Bedingungen funktionierte und fuhr ihn die komplette Rallye weiter.

Im Service gab es keinerlei Probleme zu berichten und so ging es in die Nachtschleife auf die selben zwei Freitag WPs. Problemlos über Fuldatal und erneut angriffslustig in Willofs, wo wir diesmal die "Citrola" richtig fliegen ließen. Einmal allerdings etwas zu viel. 10 Sekunden verloren wir bei unserem Ausritt in den Acker und 3 weitere erneut hinter Tina Wiegand, die diesmal aber technische Probleme hatte. Im Ziel betrug unser Rückstand 10 Sekunden. Eine Bestzeit wäre hier drin gewesen.

Nach einer sehr kurzen Nacht mit 4 Stunden Schlaf ging es am Samstagmorgen weiter. Michael schien sich langsam einzufahren, wurde immer schneller und konnte seinen Rückstand auf den drittplatzierten Dark Liebehenschel halten. Beim zweiten Durchgang in Feldatal wollte er es dann wissen. Volle Attacke mit dem Resultat: 2-mal verbremst und einmal viel zu schnell in eine Doppelachtung-Linkskehre kurz vor dem Ziel. Ein Abflug über einen Graben hinweg und durch die Büsche auf eine kleine Wiese waren die Folge. Glücklicherweise sind die Büsche vorher gestutzt worden, sonst hätte es wohl deutlich mehr Schaden am Auto gegeben. Unser Rückstand trotz der Fehler lag bei 40 Sekunden. Auch hier wäre sicherlich eine Topzeit im Bereich des Möglichen gewesen. Der Schaden an der Front konnte im Service gerichtet werden.

Michael ärgerte sich über den Abflug und schimpfte mit sich selbst. Besonnen entschieden wir uns dazu, von nun an nichts mehr zu riskieren, da wir aus eigener Kraft nach vorne nichts mehr ausrichten konnten und nach hinten bereits 3 Minuten Luft hatten.

Auf dem sicheren 4. Platz der Trophy und dem 7. Platz in der Divisionswertung konnten wir eine äußerst anspruchsvolle Rallye beenden und unseren 4. Platz in der Citroen DS3 R1 Trophy festigen. Speziell für mich war es wichtig zu sehen, wie gut Michael wirklich ist. Talent und Coolness hat er, lernfähig und motiviert ist er und das familiäre Umfeld von HWR Motorsport stimmt auch. Allerdings muss er noch konstanter werden. Doch das wird kommen… hoffe ich.