Kühle Köpfe

Heiss war es gewesen... nicht nur bei Aussentemperaturen von über 35°C, sondern auch um den Gesamtsieg beim 4. Lauf zur HJS Diesel Rallye Masters der Rallye Niedersachsen im beschaulichen Osterode am Fusse des Harzes. Die erste Rallye in diesem Jahr mit konstanten Wetter, bewahrte für alle Teilnehmer gleiche und faire Bedingungen. Mochte also der Schnellste von ihnen gewinnen.

Wir kannten zwei von fünf verschiedenen Wertungsprüfungen (WP) noch aus dem Jahr 2007 und nutzten das Training am Freitag Nachmittag, um unseren Aufschrieb an Thomas fahrerische Entwicklung anzupassen. Viele Kurven schreibt er inzwischen schneller und auch unser System hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Interessanterweise fällt das einem aber erst dann auf, wenn man den Vergleich mit der Gegenwart hat. Zudem glichen zwei für uns neue WPs ein wenig dem Charakter, wie man ihn bei Thomas' geliebter Wartburg Rallye vorfindet. In der Summe waren wir alle bei Toro-Motorsport eigentlich sehr optimistisch gestimmt. Aber ohne Kampf geht es in der HJS-DRM schliesslich nie aus, dass wissen wir inzwischen alle sehr genau.

Samstag morgen am Start der WP 1. Ich erinnerte Thomas an seine feinen Leistungen auf diversen WPs, die er in diesem Jahr schon zeigte. Und dann ging es auch schon los. Wir fuhren die vierte Zeit, verloren aber fast 10 Sekunden auf unseren Markenkollegen Konstantin Keil, der mit einer klaren Bestzeit seine Ambitionen mehr als deutlich machte. Auf WP 2 verloren wir etwas Zeit beim Anbremsen zweier Schikanen, fuhren auf den kurzen Schotterabschnitten zu verhalten und erzielten somit lediglich die achte Zeit. Allerdings immer noch in Reichweite der Spitze. Die bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem bereits erwähnten Keil und dem derzeit Führenden im Diesel-Masters Björn Mohr. Wir mussten also weiter reinhalten, um unsere Chance zu wahren und den Kontakt zur Spitze nicht zu verlieren. Auf WP 3 konnten wir mit der zweitbesten Zeit ein wenig vom Vorsprung Keils abknabbern. Mit 15 Sekunden Rückstand kamen wir auf dem 4. Platz in den ersten Service, wo wir keinerlei Probleme am Fahrzeug melden konnten. Nur kühlen Diesel für den Golf... und Wasser für uns.

Nach dem Service ging es auf die WP Lerbach. Einem nur 1,9 km langem Sprint bei dem vom Start bis zum Ziel 400 Höhenmeter bewältigt werden mussten. Im Ziel trennten die ersten drei auf der WP lediglich 0,4 Sekunden und wir als zweite wieder vorne mit dabei. Nach technischen Problemen an Keils Golf, kam der bis dato Führende zu spät an eine Zeitkontrolle und musste 80 Strafsekunden hinnehmen. Beim anschliessenden 20 km langen Rundkurs verabschiedete sich Vorfahresmeister Holger Knöbel aus dem Kampf um den Sieg, nachdem Copilot Harald Brock ihn eine Runde zuviel fahren liess. Damit wurde es ein Zweikampf zwischen dem Team Mohr/Becker im Opel und uns. Beim zweiten Service trennte uns lediglich 5,9 Sekunden. Volle Attacke am Nachmittag, gab ich als Devise aus und trotzte damit allen Beschwichtigungen von Teamchef Heinz-Uwe Robel, die Position zu halten. Wenn sich einem die Erfolgstür öffnet, man bewusst seine Möglichkeiten abschätzt, dann muss man seine Chance nutzen und kämpfen. Das sah ich schon immer so.

Gesagt - getan. Wir fuhren Bestzeit auf WP 6, die zweite Zeit auf WP 7 und die dritte Zeit auf WP 8 und übernahmen vor dem letzten Service mit 1,9 Sekunden Vorsprung die Führung von Mohr/Becker, die plötzlich Leistungsprobleme bemängelten. Es schien uns also alles in die Hände zu spielen, wo noch drei WPs zu fahren waren.

Das zweite Bergrennen bei Lerbach krönten wir mit unserer zweiten Bestzeit und bauten unseren Vorsprung auf 7,1 Sekunden aus. Das müssen wir eigentlich jetzt nur noch verwalten, dachte ich, da der Leistungsverlust an Mohrs Opel echter Natur zu sein schien. Zwei WPs noch zu fahren. Doch Björn Mohr schien noch einmal zurückschlagen zu wollen, nahm uns auf WP 10 4 Zehntel ab und reduzierte seinen Rückstand auf 6,7 Sekunden. Volle Konzentration auf die letzte WP. Wir brannten eine weitere Diesel-Bestzeit und 8. Gesamtzeit in den Asphalt, behielten einen kühlen Kopf, und holten unseren ersten Sieg in der HJS-DRM seit dem Beginn unseres VW Diesel-Projektes vor einem dreiviertel Jahr.

In der HJS-DRM konnten wir mit dem Sieg unseren 2. Platz festigen und schauen frohen Mutes auf die nächste Veranstaltung, der Rallye Baden-Württemberg.

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die uns auf unserem bisherigen Weg zu diesem Erfolg unterstützten und, trotz aller Skepsis von aussen, immer an uns glaubten. Wir beweisen stets aufs Neue, wie man mit bescheidenen Mitteln, kontrolliertem Gasfuss, und gutem Teamwork, die etablierte Rallyewelt ins Wanken bringen kann und werden uns weiterhin darum Bemühen an dieser Philosophie festzuhalten.