Schmierig schwierig

Auf dem Papier gab die 42. ADAC Rallye Stemweder Berg in Nordrhein-Westfalen eigentlich keinen Grund zur Besorgnis. Die jahrelange Erfahrung des Veranstalters, eine im Sinne der Fahrer sehr gut funktionierende Rallye zu organisieren, sollte keine Wünsche offen lassen. Hinzu kam, dass die Wertungsprüfungen (WPs) von vielen Teilnehmern nach der Besichtigung als nicht allzu anspruchsvoll eingestuft wurden. Und doch sollte es eine schwierige Veranstaltung für viele Teams werden. Auch für Sebastian und mich.

Starker Regen am Samstagmorgen verwandelte Teile der WPs in rutschige und sehr schmierige Passagen. Für diese Bedingungen und den gewohnt perfekt vorbereiteten Golf 3 GTI, wählten wir die weichsten uns zur Verfügung stehenden Intermediate Reifen. Sebastian wollte auf keinen Fall den Start verschlafen und so nah wie möglich an unseren Konkurrenten Guido Imhoff im Golf 3 Kitcar und Olaf Müller in bärenstarken BMW 320i dran bleiben, da sich bei Regen unser technischer Leistungsnachteil von mehr als 50 PS nicht allzu sehr bemerkbar machen sollte. Diese Chance wollten wir nutzen.

Auf der ersten WP ereilte bereits Guido Imhoff das Schicksal. Ausfall. Als einziger ernst zunehmender Konkurrent in der Division 3 verblieb daher das Team Müller/Grünhagen, die mit der Bestzeit auch die Führung übernahmen. Wir folgten 2 Sekunden dahinter. Sebastian haderte allerdings mit sich und hatte wieder einmal das Gefühl nicht die erhoffte Leistung von Beginn an abrufen zu können. Von daher wollte er auf der nächsten WP zum Angriff blasen. Dies gelang ihm bis 3 Kurven vor dem Ziel auch ausgesprochen gut. Doch beim Anbremsen eines Linksabzweiges brach plötzlich das Heck des Golfes aus und wir drehten uns in klassischer Manier ein. Zeitverlust 15 Sekunden. Dass wir trotzdem nur 7 Sekunden auf Olaf Müller verloren, zeigte aber, was ohne den Dreher für uns drin gewesen wäre.

Nach den ersten 3 WPs hatten wir einen Rückstand von 14 Sekunden. Der Regen liess nach und wir wollten konzentriert die nächste Schleife angehen. Doch die überbremsende Hinterachse machte uns erneut einen Strich durch die Rechnung. Wieder verpassten wir mit ausbrechendem Heck einen Abzweig und mussten zurücksetzen. Nach diesem Missgeschick war Sebastian wie von der Rolle und hatte kein Vertrauen mehr in das zickige Fahrverhalten des Golfes. Während sich Olaf Müller immer mehr steigern konnte, stagnierten wir in den gefahrenen Zeiten. Wir mussten uns eingestehen, dass wir an diesem Tag gegen den BMW keine Chance hatten und begannen schon zur Halbzeit der Rallye den 2. Platz abzusichern, da uns von hinten keinerlei Gefahr drohte. Doch die nervöse Hinterachse machte uns immer noch Sorgen.

Nach dem zweiten Service des Tages, stellte Sebastian auf einmal fest, dass das Regelventil für die Bremskraftverteilung falsch eingestellt war. Nach der Korrektur der Fehleinstellung lief es auf einmal wieder besser. Sebastian fand seinen Rhythmus und wir konnten am Nachmittag unter trockenen Bedingungen und ohne Druck noch ein paar respektable WP Zeiten setzen. Wie schwierig die vermeintlich einfache Rallye am Ende aber wirklich war, zeigt die hohe Ausfallquote von 33 Prozent. Daher kann ich Sebastian vor dieser reifen und abgeklärten Leistung nur meinen „Helm“ ziehen. Gut gemacht, Zimmi.

Mit dem sicheren 2. Divisionsplatz und 12. Gesamtplatz fuhren wir wohl verdiente 18 Punkte für den ADAC Junior Cup nach Hause und verbesserten uns auf den 5. Platz in der Gesamtwertung. Im ADAC Rallye Masters rutschten wir auf den guten 8. Platz nach vorne. Drücken Sie uns auch weiterhin die Daumen, denn in zwei Wochen geht es bereits weiter bei der Rallye Niedersachsen am Fuße des Harzes.