Fehlersuche

Nachdem ich bei der Ostsee Rallye Anfang September noch beruflich verhindert war und von Stefanie Fritzensmeier vertreten wurde, nahm ich am letzten Wochenende wieder neben Sebastian Zimmermann im VW Golf 3 GTI Platz. Die Rallye Baden-Württemberg bildete den ersten von zwei Endläufen des ADAC Rallye Masters. Eine schöne Veranstaltung im Süden Deutschlands - nicht nur weil sich der Herbst von seiner goldenen Seite zeigte und uns spätsommerliche Temperaturen bescherte, sondern auch weil die Organisatoren schnelle und äußerst selektive Wertungsprüfungen (WPs) für uns Teilnehmer aussuchten. Zusätzlich sollten schmierige und feuchte Stellen in den schattigen Waldpassagen für zusätzliche Spannung sorgen. Am Ende der Rallye gab es schließlich kaum jemanden, der nicht über kleine Ausritte in die Botanik klagte.

Während der Besichtigung konzentrierten wir uns darauf detaillierte Angaben über die Asphaltbeschaffenheit in unseren Aufschrieb mit aufzunehmen. Wir wollten die Rallye sicher und ohne Probleme durchfahren und am Ende sehen wo wir landen. Von gefahrenen Zeiten wollte Sebastian ausdrücklich nichts wissen, denn gute Zeiten kommen irgendwann schon von alleine. Doch auf den ersten drei WPs kam er mit den wechselten Gripverhältnissen überhaupt nicht zurecht. Er hatte kein Vertrauen in die Reifen, obwohl sie die richtige Wahl waren. Zusätzlich fiel auf der ersten WP die Gegensprechanlage aus und endete in einem kleinen Ausritt über die Wiese. Auf der Verbindungsetappe wechselten wir die Batterie und stellten so die standardgemäße Verständigung wieder her.

Vor dem ersten Service berichtete Sebastian davon, dass sich der 6. Gang nur sehr schwer einlegen ließ. Sein Vater diagnostizierte einen gebrochenen Stift in einem Teil der Schalteinheit. In 14 Minuten bauten beide aus dem Originalteil und einem Ersatzteil eine neue funktionierende Einheit. Ohne Strafe und Zeitverlust konnten wir den Service wieder verlassen. Saubere Arbeit.

Auf der vierten WP konnten wir sieben Sekunden schneller fahren als am Morgen. Eine gute Steigerung, die sich in der ersten Runde des Rundkurses im Industriegebiet Alb Donau fortzusetzen schien. Doch dann ging uns ohne Vorwarnung zweimal der Motor aus. Zweimal kurz warten, zweimal neu starten, zweimal ging es weiter. Beim dritten Mal passierte es allerdings inmitten einer mittelschnellen Linkskurve, infolgedessen wir uns um 180° drehten und mit großem Zeitverlust den Rundkurs zuende fuhren. Auf der folgenden WP äußerte sich das Problem mit dem Motor weniger drastisch, war aber immer noch spürbar. Im Service standen wir vor einem Rätsel. Möglicherweise litt der Golf an einer unzureichenden Benzinzufuhr oder fehlerhaft arbeitenden Benzinpumpe. Aber gesichert war das nicht. Wir entschieden daraufhin nur noch vollbetankt die nächsten Sektionen anzugehen.

Diese Maßnahme schien zu funktionieren, denn am Nachmittag lief der Golf wieder wie gewohnt. Doch zwei heftige Abflüge von uns sorgten dafür, dass wir uns nicht weiter verbessern konnten. Durch eine falsche Meterangabe im Aufschrieb, war ich bei der Ansage einer “Achtung R4 glatt schmiert” etwas zu spät. An ein rechtzeitiges Bremsen war von daher nicht mehr zu denken. Für den zweiten Durchgang korrigierten wir anschließend die irritierende Meterangabe von “100” in “sofort”. Der zweite Abflug ereilte uns bereits eine WP später. Diesmal stand im Aufschrieb “250 L5 50 R3”. Ich hatte genügend Zeit auf die entscheidende Rechtskurve mit Nachdruck hinzuweisen, was ich auch tat. Trotzdem verbremsten wir uns und segelten zwischen Obstbäumen ins Aus. Mit viel Glück und Adrenalin konnten wir trotzdem weiterfahren. Beide Abflüge zeigten jedoch, wie wichtig ein guter Aufschrieb ist und wie subjektiv die Einschätzung von Meterangaben sein kann. Im Nachhinein denke ich, hätte ich Sebastian beim Besichtigen vielleicht darauf hinweisen sollen. Das sollte man von einem erfahrenen Beifahrer eigentlich erwarten...

Auf den letzten drei WPs lief es mit korrigiertem Aufschrieb dann eindeutig besser für uns. Unsere Zeiten waren ordentlich, aber an eine Verbesserung im Klassement war nicht mehr zu denken. Mit einem schwer erkämpften 4. Platz fuhren wir enttäuscht nach Hause.

Am Sonntag nach der Rallye teilte mir Sebastian per SMS und ohne Begründung mit, dass er die letzte Rallye des Jahres mit einem anderen Beifahrer bestreiten wird und damit unsere sportliche Zusammenarbeit beendet ist. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man bei ausbleibendem Erfolg Ursachenforschung betreibt. Mir ist auch klar, dass im Fußball der Trainer und im Rallyesport der Copilot, die am einfachsten auszutauschende Komponente ist. Aber als gestandene Menschen spricht man Unzulänglichkeiten und Probleme offen an, egal was am Ende dabei heraus kommt. Das ist auch ein Zeichen von sportlicher Fairness und einer gewissen Wertschätzung der anderen Person gegenüber.

Ich wünsche Sebastian und seinem Team auf diesem Wege trotzdem alles Gute für seine motorsportliche Zukunft. Die Rallyefamilie ist klein und man wird sich bestimmt noch das ein oder andere Mal über den Weg laufen. Von daher stehe als Beifahrer wieder zur freien Verfügung und würde mich über neue Herausforderungen und Angebote sehr freuen.