Blut geleckt

Noch als aktiver Leistungssportler im Langstreckenlauf, war es mein Wunsch gewesen einmal bei einem Triathlon mitzumachen. Die strengen Trainings- und Saisonplanungen zu dieser Zeit, ließen jedoch ein „Fremdgehen“ nie wirklich zu. Danach konzentrierte ich mich auf mein Studium und hatte erst einmal die Nase voll vom Ausdauersport. Bis es mich am Anfang des Jahres wieder packte. Vorerst nur ein Gedankenspiel, entpuppte sich die Vorstellung, mich gezielt auf einen Triathlon im August vorzubereiten, als willkommene Herausforderung. Die selbstgestellte Bedingung war, es sollte in erster Linie Spass machen. Ohne Zwänge aber doch mit Ehrgeiz.

Ende März begann ich mit dem Schwimmtraining. Anfangs noch in der Schwimmhalle und später, wenn es das Wetter zuließ, auf dem Schlachtensee. Die miesen Sommermonate demotivierten mich jedoch vor der Arbeit ins Wasser zu springen und so vernachlässigte ich wetterbedingt das Schwimmen. Das Radfahrtraining kombinierte ich mit meinen täglichen Heimfahrten von Potsdam nach Berlin und steigerte im Laufe der Zeit die Distanzen und Intensitäten. Das Laufen trainierte ich gar nicht. Ich dachte mit meiner Erfahrung wird das schon irgendwie gehen... ich meine laufen.

Als Premierenveranstaltung wählte ich den Sprint-Triathlon in Wassersuppe bei Rathenow am letzten Wochenende. 500 m Schwimmen - 18 km Radfahren - 5 km Laufen. Ein Volkssporttriathlon, den aber auch diverse Leistungssportler für ihre Ambitionen zweckentfremden. Wie ich finde völlig berechtigt, da es die Veranstaltung insgesamt aufwertet und einen realistischen Vergleich mit der eigenen Leistung zuläßt. Das Vorprozedere ist jedoch immer das gleiche, egal in welcher Ausdauersportart man antritt. Anmelden, Chip holen und vergleichen. Ob im Gespräch, mit „neidvollen“ Blicken oder beim Warmmachen. Was beim Triathlon hinzu kommt, ist die zeitoptimierte Einrichtung seines Platzes in der Wechselzone. Eine Sache die wohlüberlegt sein will, denn nicht umsonst gilt das Wechseln als vierte Disziplin beim Triathlon.

Nach einer Kurzeinweisung der über 120 Teilnehmer zur Streckenführung durch den Organisator, stand ich auch schon am Ufer des Hohennauener Sees. Schwimmbrille nassmachen, nochmal Arme kreisen und dann ging es auch schon los.

Kaum gestartet war ich mir dem größten Problem beim Schwimmen auch schon bewußt. Um sich herum sieht man nur Arme, Beine und aufgewirbeltes Wasser. Im offenen Gewässer dabei die Orientierung zu behalten empfand ich als nahezu unmöglich. Von orangefarbenen Bojen, die man umschwimmen mußte, habe ich jedenfalls nichts gesehen. Und wer dabei denkt sein eigenes Tempo schwimmen zu können, täuscht sich gewaltig. Nicht nur dass man immerzu Arme und Beine um sich herum sieht. Man berührt sie auch gezwungermassen. Und das stört einfach alles, von der Schwimmtechnik bis zum Atemrhythmus. Erst nachdem sich das Feld etwas auseinanderzog, lief es auch bei mir besser.

Torkelnd und mit vernebelten Blick kam ich aus dem Wasser und rannte in die Wechselzone. Nach einer gefühlten Ewigkeit und ein paar Standardflüchen hatte ich endlich mein Shirt und Fahrradschuhe an. Helm auf, Chip umschnallen und ab auf die Radstrecke. Nach 11:40 Minuten auf dem 36. Platz.

Überraschenderweise fand ich beim Radfahren ziemlich schnell meinen Rhythmus. Trotzdem zogen ein Teilnehmer nach dem anderen an mir vorbei. Nach 2 Kilometern sagte ich mir: „Beim Nächsten hängst Du Dich ran!“ Gesagt - getan. Wie sich später herausstellte war es der Sohn des Veranstalters mit dem ich ein gutes Team bilden sollte. Zusammen holten wir eine Gruppe nach der anderen wieder ein und wechselten uns in der Führungsarbeit regelmässig ab. Zu diesem Zeitpunkt orientierten wir uns nur nach vorne und bekamen nicht mit, dass sich alle anderen gemütlich in unserem Windschatten ausruhten. Schließlich nutzte ein Großteil der Gruppe die letzen 3 Kilometer mit Gegenwind und zog einfach davon. Mir blieb nur die Hoffnung sie beim Laufen wieder einzuholen. Nach 29:06 Minuten auf dem Rad (25. Einzelzeit) wechselte ich als 28. auf die Laufstrecke. Meine eigentliche Paradedisziplin.

Zwar konnte ich auf den ersten 1,5 Kilomtern die meißten Radasse wieder einholen, aber ich fühlte mich überhaupt nicht gut. Mein Oberkörper zog sich von Seitenstechen zusammen und auch meine Beine wurden immer schwerer. Da Aufgeben keine zufriedenstellene Alternative war, wollte ich nur noch mein Tempo halten. Nach vorne ging es bis 2 Kilometer vor dem Ziel trotzdem weiter. Als ich aber bemerkte, dass sich der Vorsprung zum nächsten Teilnehmer nicht mehr reduzierte sondern konstant blieb, beließ ich es dabei meine Position zu halten. Es sollte für die 13. Einzelzeit im Laufen und den 21. Platz in der Gesamtwertung reichen.

Mit erhobenen Hauptes und glücklich wartete ich nach 1:01:48 Stunde auf das finale Piepen des Chips auf der Zielmatte und war mit mir und der Welt zufrieden. Und darum ging es ja bei meinem ersten Triathlon... to be continued.