Im Blindflug zu Sieg und Titel

Man mag es ja kaum glauben, aber die Lausitz Rallye kannte ich bisher immer nur als Zuschauer. Nach zwölf Ausgaben des größten Schotterspektakels in Mitteleuropa, konnte ich aber am vergangenen Wochenende nun endlich auch mein Häkchen hinter „erlebt“ machen. Die diesjährige Veranstaltung zählte nicht nur zur Deutschen Rallye Serie (DRS) zählte, sondern bildete gleichzeitig den finalen Lauf der ADMV Rallye Meisterschaft (ARM).

Unsere Ausgangslage war relativ einfach. Als Meisterschaftsführende in der ARM, mussten wir eigentlich nur das Ziel erreichen. Komplizierter wurde die taktische Auslegung, wenn wir gleichzeitig unsere Chancen in der DRS wahren wollten. Dafür mussten wir uns mindestens vor dem DRS Führenden Team Stöber/Wölfel platzieren. Eine gesunde Mischung aus Angriff und materialschonender Fahrweise, sollte den Spaß zwar etwas minimieren aber in Hinblick auf beide Meisterschaften die vernünftigere Entscheidung sein. Erschwerend kam das Lausitzer Kaiserwetter hinzu (seltsam aber wahr). Sommerliche Temperaturen und kein Wind verwandelten die staubigen Schotterpisten in ein nebeldunstiges Labyrinth mit Sichtweiten von unter 20 m. Ein guter Aufschrieb konnte hier Minuten bringen...

19 beziehungsweise 24 Sekunden waren wir auf der ersten Wertungsprüfung (WP) am Freitagabend schneller als die beiden VW Polos von Robert Stöber und dem ausgewiesenen Schotterexperten Rudi Macht. Eine klare Bestzeit und beruhigende Standortbestimmung, da wir keinerlei Risiken am Anfang eingingen. Mit einsetzender Dunkelheit wurden die Bedingungen jedoch zunehmend irregulärer. Der Rallyeleitung blieb nichts anderes übrig als die WP „Reichwalde A“ zu annullieren und die restlichen WPs des Tages abzusagen. So schonten wir die „Susi“ für den harten zweiten Tag.

Am Morgen des zweiten Tages konnten wir abwarten, was die Konkurrenz hinter uns machte und jederzeit darauf reagieren, wenn es die Bedingungen erlaubten. 2 Sekunden nahmen uns Rudi Macht und Copilot Robert Patzig ab. Das war zu verschmerzen, sollte uns aber warnen, dass beide längst noch nicht aufgegeben haben. Robert Stöber versuchte derweil seinen dritten Platz zu halten und wollte nur noch ins Ziel. Es waren nicht einmal 50% der Rallye bewältigt.

Nachdem wir in der darauf folgenden WP „Arena B“ noch einmal 6 Sekunden schneller als Macht waren, pegelte sich unser Vorsprung bei 25 Sekunden ein. Dieser hätte nach der folgenden WP noch durchaus größer sein können, wenn wir nicht 13 Sekunden durch das Verpassen eines Abzweiges verloren hätten. Wir hatten zwar eine Bremsmarkierung im Aufschrieb zu stehen, diese wurde jedoch von einem der zahlreichen 318is Teams vor uns abgeräumt. Wie sich später herausstellte, sollten wir nicht die Einzigen sein, denen die Markierung urplötzlich fehlte...

Im anschließenden Service konnten wir von keinen Problemen am Fahrzeug berichten. Lediglich die zweite Getriebewelle schien etwas gegen unsere schnelle Gangart zu haben. Aber dem wusste Veit mit einem präziseren Schaltvorgang entgegenzuwirken. Von daher nur Standardarbeit für die
Suzuki-KKL Mechaniker, die die „Susi“ gewohnt perfekt für die harten Bedingungen vorbereiteten.

Auf der zweiten Runde des Vormittags, sollten sich dann die Ereignisse überschlagen. Während Rudi Macht bereits auf der WP 8 durch technischen Defekt ausfiel, musste Robert Stöber eine WP später seine Segel streichen. Wir bekamen von alledem nichts mit, da es in den Kohleabbaugebieten rund um Boxberg kein Handynetz gab, und fuhren unseren Stiefel einfach weiter. Erst am Ende von WP 10 konnte mein Vater mir mitteilen, dass unsere Hauptkonkurrenten nicht mehr in der Rallye seien und wir „nur“ noch ins Ziel rollen müssen.

Doch dies schien leichter gesagt als getan. Mit großem Vorsprung die Klasse anzuführen und trotzdem jederzeit mit technischem Defekt ausfallen zu können, belastete Veits und meine Psyche ungemein. Das lange Warten vor dem Start der WPs wurde zur Qual und wir versuchten uns mit kleinen Scherzen abzulenken. Am Ende behielten wir die Nerven und die „Susi“ ihre Teile. Und so gab es im Ziel schließlich kein Halten mehr. Siegessekt und Freudentränen flossen in Strömen...

Mit unserem Sieg bei der 12. Lausitz Rallye feierten wir den Gewinn der
ADMV Rallye Meisterschaft. Außerdem konnten wir uns durch dieses perfekte Wochenende in den Titelkampf um die Deutsche Rallye Serie zurückmelden und befinden uns wieder auf Podiumskurs.

Ein großes Dankeschön geht an alle Freunde und Beteiligten des
Suzuki-KKL Rallyeteams, ohne deren selbstloses Engagement dieser Erfolg mit Sicherheit nicht möglich gewesen wäre. Danke Jungs... und Mädels.