Schotter zum Auftakt

Manchmal ergeben sich im Leben Situationen, in denen man nicht lange überlegen muss, weil man von Beginn an ein gutes Gefühl hat. Bei mir war es eine Anfrage von Dark Liebehenschel zum Schotter-Cup Auftakt in Wittenberg. Es gibt gewisse Fahrer in Deutschland, bei denen ich ohne zu zögern ins Auto steigen würde - Dark ist einer davon. Der ADAC Junior Cup Gewinner von 2000 ist international erfahren und ein ausgewiesener Schotterspezialist. Da seine Frau und Stammbeifahrerin Daniela Busch, den Ausbau des Geschäftes im heimischen Betrieb überwacht, brauchte er Ersatz. Glücklicherweise hatte ich Zeit, so dass wir schnell Nägel mit Köpfen machen konnten.

Die große Herausforderung bei solchen spontanen Fahrer/Beifahrer Zusammenführungen ist es, sich schnellstmöglich aufeinander einzuspielen. Dark und ich lernten uns bereits letztes Jahr in der Citroen DS3 R1 Trophy kennen. Das vereinfachte die Sache bei unserem ersten gemeinsamen Einsatz erheblich. Dazu kam eine "gewisse" Erfahrung und Anpassungsfähigkeit von beiden Seiten. Eine 200er hat nämlich nur 35 Wertungsprüfungskilometer und dieser Umstand erlaubt keine Fehler oder Experimente. Weder beim Erarbeiten des Aufschriebes noch bei der eigentlichen Umsetzung gegen die Zeit. Speziell Darks detaillierte Kurven- und Streckenangaben sollten mir beim Ansagen nur wenig Luft zum Atmen lassen. Das war mir ziemlich schnell klar und machte die Sache äußerst interessant. Vor allem, wenn es mit 140 km/h auf den engen Schotterwegen durch Wittenbergs Wälder geht.

Bei sonnigem Frühlingswetter und mit gebrauchten Schotterreifen, starteten wir mittags Richtung Rundkurs Zörnigall. Ernstzunehmende Konkurrenz in unserer Fahrzeugklasse brauchten wir unter normalen Umständen nicht zu fürchten. Wir konzentrierten uns darauf, das beste frontangetriebene Fahrzeug im Ziel zu sein. Unser Hauptkonkurrent in dieser internen Wertung war der amtierende Schotter-Cup Meister Marc Muschiol im Renault Clio. Allerdings verloren wir bereits auf dem kurvigen Asphaltstück des Rundkurses über 5 Sekunden. Der Drehzahlfreudige C2R2 hatte aus den Ecken heraus eindeutig Nachteile gegen die hubraum- und drehmomentstärkere Konkurrenz. Da konnten wir wenig machen. Wenn wir aber die Drehzahl hatten, dann lief es richtig gut.

Auf der folgenden WP von Reinsdorf nach Mochau waren wir 1 Sekunde schneller als Muschiol, verloren aber auf dem folgenden Abschnitt wieder deren 2. Unser Rückstand nach der ersten Schleife betrug 6 Sekunden. Uns war klar, dass es sehr schwer werden würde, diese wieder aufzuholen. Probieren wollten wir es trotzdem.

Vor dem Regrouping wechselten wir die gebrauchten Reifen der Vorderachse und zogen neue Schotterreifen auf, um noch einmal angreifen zu können. Doch auf dem Rundkurs verloren wir erneut wertvolle Zeit. Wir festigten unseren zweiten Platz bei den Fronttrieblern. Daran änderte auch eine Bestzeit auf der fünften WP nichts mehr. Auf dem abschließenden sechsten Abschnitt hatte Dark noch einmal mächtig Spaß, ließ den Citroen richtig fliegen und fuhr 5 Sekunden schneller als im ersten Durchlauf. Es wäre auch noch schneller gegangen, wenn wir nicht zwei Kurven vor dem Ziel zu weit in den ausgefahrenen Sand gerutscht wären. Im Ziel Meinte Dark nur noch zu mir: "Jetzt bin ich warm... nächste WP bitte!" Doch die gab es leider nicht mehr - 200er eben.

Am Ende gewannen wir mit über 2 Minuten Vorsprung überlegen unsere Klasse und konnten uns über einen feinen 8. Gesamtplatz freuen.

Mein Fazit: super Fahrer, tolles Auto, schöne Rallye und ein rundum gelungenes Wochenende.

Bedanken möchte ich mich bei Patrick Pusch und Valentin Langner für die freundliche Unterstützung vor Ort.