Es fehlte nur der "i" Punkt

Eineinhalb Jahre ist es her, dass Veit König und ich das letzte Mal gemeinsam bei einer Rallye am Start waren. Unsere Rückkehr mussten wir leider immer wieder verschieben, da sich die Premiere unseres neuen Suzuki Swift Sports aufgrund von Konstruktionsfehlern der Nockenwellen und zusätzlichen Auslieferungsschwierigkeiten immer wieder verzögerte. Dass wir am letzten Wochenende bei der AvD Sachsen Rallye in Zwickau überhaupt starten konnten, glich eigentlich einem Wunder...

Erst am Donnerstagmorgen konnten sich unsere Servicemechaniker Mike, Ronny und Stefan mit Werkstattwagen, Anhänger und Swift auf den Weg von Zschopau nach Wien machen, um die neuen Nockenwellen zu verbauen und den Motor mit neuem Mapping auf dem Prüfstand korrekt einzustellen. Veit und ich reisten derweil in Zwickau alleine an und kümmerten uns um Reifen und Felgen. Ob diese allerdings zum Einsatz kommen und es unsere Jungs rechtzeitig zur Technischen Abnahme am Freitag zurückschaffen würden, wussten wir bis dato noch nicht. Am liebsten wäre uns eine Standleitung nach Österreich gewesen, um immer wieder auf dem aktuellsten Stand der Dinge gehalten zu werden. Glücklicherweise kamen im Laufe des Abends immer wieder positive Nachrichten aus Wien rein: Nockenwellen sind da - Motor läuft - 170 PS - Wir fahren jetzt los! - Sind morgen früh da. Wir konnten beruhigt schlafen gehen.

Mit dem verbesserten Aufschrieb von 2011 im Gepäck und ohne einen Meter zu testen, setzten wir uns ins Auto und rollten über die Startrampe. Veit konnte es kaum glauben, dass er wieder einmal eine Rallye fahren würde und steckte mich mit seiner Vorfreude an. Und auf einmal war alles wieder wie früher. Druck hatten wir uns von vornherein keinen gemacht, denn wir wollten einfach unseren Stiefel fahren, langsam ans Auto und Limit herantasten und Spaß haben. Unseren Gesichtern im Ziel der ersten WP zufolge schienen wir den auch zu haben, denn nach all der Zeit konnten wir mit gerade einmal zwei Sekunden Rückstand auf die Bestzeit eine tollen Einstand abliefern und in Sicherheit wägen, dass der Swift erst mal läuft. Und wie gut er wirklich läuft, konnten wir anschließend auf dem Rundkurs der "Glück auf Brücke" sehen. Mit zwei klaren Bestzeiten in Folge übernahmen wir in unserer, mit 21 Fahrzeugen, am stärksten besetzten Klasse des Feldes die Führung.

Auf der Verbindungsetappe zur abschliessenden 17 km langen Nachtprüfung "Crinitzberg 2" stellten wir allerdings fest, dass die Geräuschkulisse im Innern des Autos irgendwie lauter war. Zudem fiel die Bordlampe aus und wir hatten permanente Probleme mit der Gegensprechanlage, die wir nicht richtig lokalisieren konnten. Und so meinte Veit vor dem Start nur zu mir: "Du musst mich jetzt richtig anbläken!" Und das tat ich dann auch. Mit meiner kleinen Ersatzstirnlampe unterm Helm brüllte ich so laut ins Mikro, dass mir zwischendurch fast die Stimme versagte und Veit beinahe einen Lachkrampf bekommen hätte (ich im Übrigen auch). Mit der drittbesten Zeit konnten wir unsere Führung behaupten und uns mit 8 Sekunden Vorsprung in leichter Bierlaune aufs Ohr hauen.

Am Samstagmorgen sorgte leichter Regen für zusätzliche Würze bei unserer Jagd nach Bestzeiten. Doch Veit ließ sich davon nicht beirren. Zweimal in Folge stand erneut die "Eins" vor unseren Namen in der Zeitenliste. Unser Vorsprung lag nun bei 20 Sekunden. Doch die Geräusche im Auto machten uns immer mehr Sorgen. Im Service diagnostizierten die Mechaniker einen Lagerschaden im Seriengetriebe, dass scheinbar nicht mehr mit der Mehrleistung des Motors zurecht kam. Obwohl wir wussten, dass wir das Ziel der Veranstaltung nicht mehr sehen würden, entschieden wir uns noch eine weitere Runde zu fahren.

Der Rundkurs "Neuschönburg 2" sollte unsere Galavorstellung schließlich beenden, denn im Ziel verabschiedete sich zuerst der erste Gang und auf dem Rückweg zum Service weitere Teile der Schaltkulisse. Wir entschieden uns, nach 5 von 8 möglichen Bestzeiten und mit einer 31 Sekunden Führung, im Service aufzuhören und die Bordkarte abzugeben.

Dass wir daraufhin etwas enttäuscht waren steht außer Frage, aber wenn man bedenkt, wie lange Veit keine Rallye mehr gefahren ist und wir vor dem Start noch nicht einmal sicher waren überhaupt fahren zu können, nahmen wir unseren Ausfall problemlos hin. Dass wir mit unserem neuen Motor außerdem einen gewissen Vorteil gegen unsere schwächer motorisierte Konkurrenz hatten, ist auch klar. Aber wie meinte es Veit so schön: "Um mit der Jugend mithalten zu können, bedarf es ab eines gewissen Alters besondere Maßnahmen." Und die haben wir bei der Sachsen Rallye eindrucksvoll bewiesen und für die Zukunft weitere Pfeile im Köcher. Ein neues geradverzahntes Getriebe muss nur noch zusammengebaut werden und dann geht der Spass in Pössneck bei der Thüringen Rallye weiter.

Ein großes "Dankeschön" an die gesamte Mannschaft von König-Rallyesport, die mit ihrem selbstlosen Einsatz es uns ermöglichten unseren Start zu realisieren und im Ziel jeder beendeten WP ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ihr seid spitze Jungs.