Pflicht ohne Kür

Durch unsere Erfolge im HJS Diesel Rallye Masters sammelten wir parallel fleissig Punkte für zwei weitere Meisterschaften, dem ADAC Rallye Masters und dem ADAC Rallye Junior Cup. Spontan entschieden wir uns daher für eine Teilnahme ausserhalb der HJS-DRM, der Rallye Stemweder Berg, um für die letztgenannten zwei Meisterschaften erneut wichtige Punkte einzufahren. Als einzige Teilnehmer in unserer Division war die Ausgangslage klar. Es gab maximal 10 Punkte zu gewinnen. Dafür mussten wir lediglich das Ziel erreichen - soviel zum Thema Pflicht. Damit wollten wir es jedoch nicht belassen. Es bestand nämlich durchaus die Möglichkeit mit einer guten Leistung auch in der Gesamtwertung unter die Top 10 zu kommen und damit zusätzliche Punkte zu holen.

Während des gesamten Wochenendes fühlte ich mich ein bisschen in die Anfangszeit bei Toro-Motorsport zurückversetzt. Mit dem Robel Gespann und mir bestand die anwesende Fraktion lediglich aus drei Teammitgliedern und bedeutete im Detail: Nachtanreise im Servicefahrzeug, kaum Schlaf, wenig Essen und eigene Servicearbeiten am Diesel-Golf. So auch am morgen, als es darum ging, mit welchen Reifen wir fahren sollten. Dunkle Regenwolken und warmer Sonnenschein begleiteten einen konstanten Wind und machten die Entscheidung sehr schwierig. Letztendlich lagen wir mit unserer Wahl immer daneben. Wenn es regnete, wechselten wir im Service auf den Intermediate Reifen, um am Start der nächsten WP staubtrockene Strassenbedingungen vorzufinden - scheinte die Sonne, wählten wir den Trockenreifen, damit Petrus schliesslich extra für uns seine Schleusen öffnen konnte. Trotzdem fuhren wir konstant Zeiten in den Top 15. Mit dem Verlust des Rückwärtsganges endeten jedoch unsere Ambitionen weiter zu attakieren. Das Risiko war einfach zu gross sich bei einem der vielen Abzweigen zu verbremsen, nicht mehr zurücksetzen zu können und damit unsere sicheren Punkte aufs Spiel zu setzen. Mit dieser Vorgabe spulten wir unser Nachmittagsprogramm ab und starteten nach dem letzten Service zum abschliessenden Zuschauerrundkurs - Thomas' Spezialität. Nach der ersten Runde hatten wir den 10 Sekunden vor uns gestarteten Teilnehmer bereits eingeholt, als es komische Geräusche aus der Getriebeeinheit gab. Thomas konnte keinen Gang mehr einlegen. Das war es dann wohl, dachte ich. Nachdem wir langsam Richtung Rundkursausfahrt rollten, fand Thomas doch noch einen funktionierenden Gang, den dritten. Ich wies ihn sofort an, die Ausfahrt zu nehmen und dafür die Maximalzeit einzustreichen. Mit einem maroden Golf erreichten wir schließlich das Ziel, stellten den Golf im Parc Ferme ab und nahmen die angepeilten 10 Punkte mit nach Hause. Als Fazit bleibt für mich, dass es durch die Probleme am Ende doch noch recht aufregend gewesen ist, ich solche Szenarien aber nicht noch einmal erleben möchte. Auszuschliessen ist es aber nicht - that's rally.

Glücklicherweise kam der Getriebeschaden bei dieser Rallye und nicht erst in zwei Wochen beim nächsten HJS-DRM Lauf in Niedersachsen. Das hätte uns mit Sicherheit mehr weh getan. Die Mechaniker von Toro-Motorsport haben das Getriebe schon längst ausgebaut und den Komplettverlust vom 4. und 5. Gang diagnostiziert. Drücken sie uns die Daumen, damit der Golf rechtzeitig wieder fährt.